Großbritannien - Außenminister Johnson tritt zurück Die britische Regierung hat den Rücktritt von Außenminister Boris Johnson akzeptiert. Grund für die Trennung sind Streitigkeiten wegen des Brexits. © Foto: Tolga Akmen/AFP/Getty Images

Binnen 24 Stunden verliert Theresa May einen weiteren Minister: Am Nachmittag hat auch der britische Außenminister und Brexit-Befürworter Boris Johnson seinen Rücktritt erklärt, teilte die Regierung mit. May habe den Rücktritt akzeptiert, die Nachfolge solle in Kürze geregelt werden. In der Nacht war bereits Brexit-Minister David Davis zurückgetreten, zudem sein Stellvertreter Steve Baker.

Über Johnsons Gründe wurde am Abend mehr bekannt. In seinem Rücktrittsschreiben an May hieß es, der jetzige Plan der Regierung "läuft auf den Status einer Kolonie hinaus". Ursprünglich habe er hinter den Regierungsplänen gestanden, nunmehr aber blieben diese "einem im Halse stecken". Der Brexit hätte eine Gelegenheit sein sollen, Dinge anders zu machen und die besonderen Vorteile der Wirtschaftsmacht Großbritannien zu mehren. "Dieser Traum stirbt, erstickt durch unnötige Selbstzweifel", schrieb der Ex-Minister.

May sagte zuvor vor den Abgeordneten in London, es habe mit Johnson und Davis Unstimmigkeiten hinsichtlich des richtigen Wegs aus der Europäischen Union gegeben. "Wir stimmen nicht darin überein, was der beste Weg ist, um unsere gemeinsame Verpflichtung aus dem Ergebnis des Referendums zu erfüllen", sagte May mit Blick auf die Brexit-Entscheidung der Briten vom Juni 2016.

Unzufrieden mit Mays Brexit-Kurs

Johnson galt er als einer der Hauptkritiker Mays. Er hatte ihren Brexit-Kurs immer wieder als zu weich angegriffen. Am Freitag nun hatte sich May gegen seinen Willen mit ihrer Entscheidung für eine Beibehaltung einer engen wirtschaftlichen Anbindung an die Europäische Union durchgesetzt. Die Regierungschefin hatte ihr Kabinett auf dem Landsitz Chequers in einer zwölfstündigen Sitzung auf ihren Kurs eingeschworen. Doch die Einigung kam nur unter großen Druck zustande, Brexit-Befürworter zeigten sich in den vergangenen Tagen nicht einverstanden damit.

Johnson war das Gesicht der Brexit-Kampagne und der Wortführer der Europagegner in Großbritannien. Der exzentrische Konservative hatte nach dem Brexit-Votum 2016 gesagt, die EU sei "eine noble Idee für ihre Zeit" gewesen, doch "nicht länger richtig für dieses Land".

Auch Davis hatte einen harten Bruch mit der Europäischen Union gefordert. Der BBC sagte er, sein Rücktritt sei eine Gewissensentscheidung. In seiner Rücktrittserklärung schrieb der einstige Brexit-Minister, er könne den Kurs der Regierung nicht mittragen. Der "neue Trend" der Brexit-Politik und die Taktik mache es unwahrscheinlicher, dass Großbritannien den Binnenmarkt und die Zollunion verlassen werde, hieß es in dem Rücktrittsschreiben Davis'.

EU-Ratspräsident Donald Tusk bekräftigte nach den Rücktritten der wichtigsten Brexit-Hardliner die Hoffnung, dass der EU-Austritt des Landes noch aufzuhalten sei. "Politiker kommen und gehen, aber die Probleme, die sie geschaffen haben, bleiben für die Menschen", schrieb er auf Twitter. "Ich kann nur bedauern, dass die Brexit-Idee nicht mit Davis und Johnson gegangen ist. Aber... wer weiß?" Der britische EU-Austritt ist für den 29. März 2019 geplant.

Briten in einer "schwachen Verhandlungsposition"

Weiter schrieb Davis, die Regierungsvorschläge zu den künftigen Handelsbeziehungen mit der EU "lassen uns im besten Fall in einer schwachen Verhandlungsposition zurück". Sie überließen der EU die Kontrolle über große Teile der britischen Wirtschaft. Auch die Kontrolle über Gesetze werde nicht zurück ins Land geholt, sagte er.

Für Davis hat May bereits einen Nachfolger benannt: Der 44-jährige Dominic Raab, der bislang für den Wohnungsbau zuständig war, wird künftig das für den EU-Austritt Großbritanniens zuständige Ressort führen. Raab gilt als Europaskeptiker und überzeugter Brexit-Befürworter.

Großbritannien will die EU im März 2019 verlassen. May verfolgt das Ziel, auch nach dem Brexit enge Beziehungen mit der EU zu pflegen. Das sei auch weiterhin ihr Ziel, sagte die Regierungschefin nach dem Rückzug ihrer Minister. Ihr Kurs schütze Arbeitsplätze und sei das Beste für die Bevölkerung, sagte May. "Es ist der richtige Deal für Großbritannien."

Die Premierministerin wollte am Nachmittag ihre Brexit-Pläne im Parlament vorstellen. Danach wurde sie zu einem Treffen mit einflussreichen Parlamentariern ihrer konservativen Fraktion erwartet, dem sogenannten 1922-Komitee. Das Treffen galt als entscheidend für ihre eigene Zukunft.