Mehrere Hundert Menschen in London haben am Abend lautstark gegen den Großbritannien-Besuch des US-Präsidenten demonstriert. "Donald Trump ist nicht willkommen", skandierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich nahe der Residenz des US-Botschafters im Regent's Park versammelt hatten. Im dortigen Haus Winfield sind Trump und seine Frau untergebracht. Das Ziel der Demonstranten ist es, dem US-Präsidenten den Schlaf zu rauben. Mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Megaphonen und Kochtöpfen machten sie Krach und schrien ihre Kritik an Trumps Politik heraus.

"Wie viele Kinder hast Du heute in einen Käfig gesperrt?", riefen einige. Dies ist ein Verweis auf den Umgang der US-Behörden mit Kindern, die in den vergangenen Wochen mit ihren Eltern illegal die Grenze von Mexiko in die USA überquert haben. Viele Familien wurden dabei getrennt und eingesperrt. Um das Leid der Kinder zu verdeutlichen, hielten die Demonstranten in London während der Kundgebung kurz inne, um einem Tonmitschnitt von weinenden Kindern anzuhören.

Auf Schildern standen Parolen wie "Rassist", "Sperrt ihn ein" und "Hau ab". Als ein Hubschrauber abhob, um Trump zu einem Abendessen mit Premierministerin Theresa May und Wirtschaftsvertretern in Blenheim nahe Oxford zu bringen, buhte die Menge.

Regierungschefin Theresa May (rechts) und ihr Ehemann Philip stehen mit US-Präsident Donald Trump und dessen Frau Melania vor Blenheim Palace. ©Kevin Lamarque/Reuters

Der US-Präsident war am Donnerstag vom Brüsseler Nato-Gipfel kommend mit Ehefrau Melania in London eingetroffen. Am Abend nahmen die Trumps an dem Galadinner im Blenheim Palace nahe der englischen Stadt Oxford teil. Blenheim Palace ist der Geburtsort des früheren Premierministers Winston Churchill, für den Trump Bewunderung geäußert hat. Das Dinner gilt als offizielle Begrüßung.

Die Trumps werden insgesamt vier Tage in Großbritannien bleiben: Am Freitag jedoch werden sie London schon wieder verlassen. Dann wird Regierungschefin May Trump auf ihrem Landsitz Chequers empfangen, anschließend ist ein Besuch bei Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor geplant. Von Freitagabend bis Sonntag werden die Trumps in Schottland sein – vermutlich in ihrem Luxusgolfclub Turnberry.

Baby-Trump fliegt über London

Seit Tagen bereiten sich die Londoner auf den Trump-Besuch vor, für Freitag sind mehrere Demonstrationen geplant. Zehntausende Teilnehmer werden erwartet. Die größte Demonstration dürfte am Freitag am Londoner Trafalgar Square stattfinden. Am Morgen wird über der Innenstadt auch ein großer Ballon in Form eines Trump-Babys fliegen, Londons Bürgermeister Sadiq Khan hatte diese Aktion genehmigt.

Khan wird auch selbst an den Kundgebungen teilnehmen. Er sagte, dass die Demonstration alles andere als antiamerikanisch sei. "Die meisten, die demonstrieren werden, lieben die USA, so wie ich", sagte er. Aber eine besondere Beziehung zu unterhalten, bedeute auch, zu sagen, wenn "wichtige Werte in Gefahr" seien.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International brachte zudem an einer Themsebrücke ein riesiges Plakat mit einem Trump-Porträt und dem Spruch "Alptraum der Menschenrechte" an.