Der bisherige britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt wird neuer Außenminister. Dies teilte die Regierung in London am Abend mit. Hunt folgt auf Boris Johnson, der im Streit um die Brexit-Politik von Premierministerin Theresa May seinen Rücktritt eingereicht hatte.

Bereits in der Nacht zum Montag hatte Brexit-Minister David Davis seinen Rücktritt eingereicht. Für ihn hat May ebenfalls einen Nachfolger benannt: Dominic Raab wird künftig für die Verhandlungen des EU-Austritts zuständig sein. Er war zuvor in der britischen Regierung als Staatssekretär im Bauministerium tätig.

Die Rücktritte mehrerer Minister zwingen May zu einem größeren Umbau ihres Kabinetts: Auf den bisherigen Posten Hunts rückt Matt Hancock, bislang zuständig für Kultur, Medien, Digitales und Sport. Seinen Posten wiederum übernimmt Jeremy Wright, bislang Generalstaatsanwalt.

Hunt gilt als einer der loyalsten Ressortchefs gegenüber May. Er hatte sich in der Vergangenheit für einen Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt.

Johnson fürchtet, Großbritannien werde zur Kolonie

Ganz anders Davis und Johnson, die May in der Vergangenheit immer wieder kritisiert hatten für ihren weichen Brexitkurs gegenüber der EU. Auch am Abend äußerte Johnson noch einmal deutliche Kritik an May. In seinem Rücktrittsschreiben warf er der Regierungschefin vor, bei den Brexitverhandlungen mit der EU kapituliert zu haben. Ihr Plan sei der Weg zu einem "Semi-Brexit", bei dem Großbritannien den Status einer Kolonie in der EU bekomme. "Der Brexit-Traum stirbt, erstickt von unnötigen Selbstzweifeln", schrieb er.

Am vergangenen Freitag hatte May ihr Kabinett zusammengerufen, am Ende des Tages verkündete sie eine Einigung, wie Großbritannien beim EU-Austritt weiter verfahren werde. Doch dieser Kurs wird von den Befürwortern eines harten Brexit nicht mitgetragen. Johnson schrieb in seinem Rücktrittsschreiben, er habe May gratuliert, dass sie die Unterstützung des Kabinetts gewonnen habe. Das Problem sei aber, "dass ich den Text übers Wochenende einstudiert habe und er mir im Hals stecken bleibt".

May hielt am Montag im Unterhaus dagegen. Ihr Ziel, weiterhin enge Beziehungen zur EU zu pflegen, schütze Arbeitsplätze und sei das beste für die Bevölkerung. "Es ist der richtige Deal für Großbritannien." Nach Mays Vorschlag soll Großbritannien bei Waren und Agrarerzeugnissen auch nach dem EU-Austritt eng an den europäischen Binnenmarkt gebunden bleiben. Die anderen drei Freiheiten des Binnenmarkts – Kapital, Arbeitskräfte und Dienstleistungen – sollen aber beschränkt werden. Damit wollen die Briten die ungehinderte Einreise von EU-Bürgerinnen und -Bürgern stoppen und im wichtigen Dienstleistungssektor eigene Wege gehen.