US-Präsident Donald Trump hat die Europäische Union in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS als Feind der USA bezeichnet. Auf die Frage des Journalisten, wer im Moment "global gesehen der größte Feind" sei, antwortete Trump: "Ich denke, die Europäische Union ist ein Feind, was sie uns im Handel antun." Das von Trump benutzte englische Wort "foe" kann mit "Feind" oder "Gegner" übersetzt werden.

Im nächsten Satz griff Trump auch Russland und China an. "In gewisser Hinsicht ist Russland ein Feind", sagte Trump weiter. "China ist wirtschaftlich ein Feind." Dies bedeute nicht, dass diese Länder "schlecht" seien, sagte Trump weiter. "Es bedeutet gar nichts. Es bedeutet, dass sie Konkurrenten sind. Sie wollen gut sein und wir wollen gut sein."  

Der US-Präsident wirft Deutschland vor, sich vor US-Produkten abzuschotten und so den Handel des Landes zu schwächen. Hintergrund sind die Zölle, die beide Seiten seit einigen Wochen auf verschiedene Waren erheben. Im Interview mit CBS kritisierte Trump außerdem, dass Deutschland nicht ausreichend zur Verteidigung innerhalb der Nato beitrage. Es sei "lächerlich", dass Deutschland einerseits teure Energie aus Russland beziehe – die USA aber zugleich dafür bezahlten, Deutschland vor Russland zu schützen. 

"Wer auch immer das sagt, verbreitet Fake News"

EU-Ratspräsident Donald Tusk widersprach Trump via Twitter. "Amerika und die EU sind beste Freunde", schrieb Tusk. "Wer auch immer sagt, wir seien Feinde, verbreitet Fake News."

EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans twitterte in der Nacht zu Montag: "Deine besten Freunde als Feinde zu bezeichnen, macht nur deine wirklichen Feinde glücklich. Europäer und Amerikaner sind durch Geschichte und ihre gemeinsamen Werte verbunden. Die Europäer werden Amerika niemals aufgeben, weil Amerika uns niemals aufgab. Dafür sind Freunde da."

Auch aus Deutschland kam Kritik an Trumps Äußerungen. Europa dürfe sich vom US-Präsidenten nicht unter Druck setzen lassen, sagte SPD-Fraktionsvize Achim Post. "Im Gegenteil, man muss ihm in Europa geschlossen und entschlossen entgegentreten – und endlich anfangen, globale Bündnisse der Vernunft zu schmieden."

Der US-Präsident hatte diese Woche bereits Großbritannien brüskiert: In einem Interview mit der britischen Sun bezeichnete er die Brexit-Pläne von Premierministerin Theresa May als "sehr bedauerlich". May selbst sagte der BBC später, Trump hätte ihr dazu geraten, die EU zu verklagen.

Welthandel - Warum gibt es Handelskonflikte? Der Handelsstreit der weltweit größten Volkswirtschaften hat begonnen: Die USA erheben Importzölle auf Waren aus China. Das Video erklärt Auslöser und mögliche Folgen. © Foto: Liza Arbeiter