Dialog ist wichtig, lernen Diplomaten und Politiker. Selbst wenn nichts zu sagen ist, muss weitergeredet werden. Aber was, wenn gesprochen wird, um vor den Kopf zu stoßen, Druck zu erzeugen, den Preis hochzutreiben?

Am Mittwoch und Donnerstag sprach US-Präsident Donald Trump mit den Regierungschefs der Nato-Länder, und es war ein Desaster. In drei Tagen trifft er Russlands Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki, und das Gespräch dürfte besser laufen. Ob es mit konkreten Beschlüssen endet, ist offen – die Russen haben den Amerikanern zwar einen Entwurf präsentiert, aber beide Seiten dämpfen im Vorfeld die Erwartungen. Doch selbst wenn es kein Abschlussdokument gibt, wird dieses Treffen zwar nicht historisch sein, wie russische Medien behaupten, aber doch sehr wichtig. Denn Trumps harte Ansagen an die Europäer entfalten ihre Kraft erst dank Putin. 

Die Drohung, dass hier einer gar die Weltordnung als Verhandlungspfand missbrauchen könnte, haben die Europäer verstanden, und sie erschrecken wegen Trumps krawalliger Art. Aber warum eigentlich? In seinem Buch The Art of the Deal beschreibt der US-Präsident sein Verständnis von erfolgreichen Verhandlungen. Er präsentiert elf Lektionen, wie man groß denken, seine Optionen maximieren, die Kosten eindämmen, Spaß haben solle. Auf seine Präsidentschaft angewandt bedeutet das aktuell offenbar: Wie man eine Weltordnung infrage stellt, den Verhandlungspartner beleidigt, mit dem Ende der Nato droht, wenn das Geld nicht stimmt, das Treffen mit Wladimir Putin als Trumpf benutzt und am Ende gut gelaunt den Zielabschluss feiert.

Die eigenen Interessen im Vordergrund

Zwar sprach Trump zuletzt viel von Solidarität und Lastenverteilung, aber das sind nur Chiffren für seine Interessen, die er für amerikanisch hält. Wenn er die Existenz der Nato infrage stellt, weil die meisten Mitgliedsstaaten zu wenig zahlen – dann geht es ihm nicht um eine fragile Sicherheit, die gestärkt werden muss, sondern darum, dass die Europäer für militärische Einsätze bereit sein und mehr Geld für Rüstung ausgeben sollten, und zwar am besten amerikanische.

Wenn Trump Zwei-Prozent-Ausgaben für das Militär einfordert, dann deshalb, weil er Erfolg monetär bemisst. Dabei lässt der US-Präsident allerdings außen vor, dass diese Ausgabe angesichts der Krim-Annexion und des Krieges in der Ukraine – zu denen Trump eine changierende, verwirrende Position hat – von den Verbündeten bestätigt wurde.

Wenn Trump Deutschland wegen dessen Energieabhängigkeit von russischem Gas eine "Geisel Russlands" nennt, dann ist er nicht daran interessiert, die Einheit Europas, sondern den amerikanischen Energiemarkt zu stärken – andernfalls hätte er nicht am Zerfall der EU gearbeitet und dem französischen Präsidenten den Ausstieg aus der EU vorgeschlagen. Und wenn Trump den Direktorposten von Gerhard Schröder im Aufsichtsrat des russischen Energiekonzernes Rosneft skandalisiert, dann ist das nicht per se falsch – aber Trump im Grunde genommen egal. Seine Leute pflegten dubiose Verflechtungen mit Autokraten und lobbyierten für sie (Manafort, Flynn), Trump hielt trotzdem so lange wie möglich an ihnen fest. Schröder passt ihm in den Kram, um den Deutschen einen mitzugeben.