Die italienische Justiz hat weitere Ermittlungen gegen Seenotretter im Mittelmeer aufgenommen. Einige Crewmitglieder des Rettungsschiffs Iuventa seien zu einer Durchsuchung beschlagnahmter Gegenstände vorgeladen worden, sagte ein Sprecher der Organisation Jugend rettet, die das Schiff betreibt. Die Iuventa war im August 2017 aus dem Verkehr gezogen worden, weil den Retterinnen und Rettern Mithilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen wird.

Zu den eingezogenen Gegenständen gehörten Computer und Telefone, die seit einem Jahr bei der Staatsanwaltschaft lägen, sagte der Sprecher. Die Vorladung solle Mitte September stattfinden.

Mitte Juli war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft im sizilianischen Trapani 20 Ermittlungsbescheide ausgestellt hatte. Die Bescheide gingen auch an die Mitarbeiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen, wie eine Sprecherin bestätigte. Allerdings gebe es keine konkreten Anschuldigungen und es handle sich um vorläufige Ermittlungen. Die Hilfsorganisation Save the Children bekam ebenfalls eine entsprechende Vorladung.

Der Streit um die Iuventa dauert bereits seit einem Jahr an, allerdings gab es bisher noch keine Anklagen oder Informationen zu einem möglichen Prozess. "Im Kontext der weiteren Maßnahmen gegen andere NGOs wundern wir uns schon, warum nach Monaten, in denen keine Bewegung in dieser Sache zu erkennen war, nun diese Schritte erfolgen", sagte der Sprecher von Jugend rettet.

Die Regierung in Italien geht derzeit verstärkt gegen private Seenotretter vor und verbietet ihnen die Einfahrt in italienische Häfen.