Indien hat im nordöstlichen Bundesstaat Assam ein vorläufiges umstrittenes Bürgerregister erstellt. Darin nahm die Regierung nur Bewohner auf, die nachweislich bereits vor 1971 in Assam gelebt haben – dem Jahr, als Millionen Menschen vor dem Unabhängigkeitskrieg aus Bangladesch nach Indien flohen. 30 Millionen Menschen, die diese Bedingung nicht erfüllen, hatten sich für eine Aufnahme in die Liste beworben. Mehr als vier Millionen wurden jedoch abgelehnt und haben somit faktisch die Staatsbürgerschaft verloren.

"Es ist ein historischer Tag für Assam und ganz Indien", sagte der oberste Registrierbeamte Indiens, Shri Shailesh. Die Kritik an der Registrierung halte er für unbegründet. "Echte indische Staatsbürger müssen sich keine Sorgen machen", teilte er weiter mit. Sie würden "ausreichend Gelegenheit" für Beschwerden bekommen, sollten sie noch nicht in das Register aufgenommen worden sein. Bis Dezember soll die Erstellung des Registers abgeschlossen sein.

Kritiker werten die Volkszählung in Assam als jüngsten Versuch der hinduistisch-nationalistischen Regierung von Premierminister Narendra Modi, die Rechte der hinduistischen Mehrheit im Land auf Kosten der Minderheiten zu stärken. Unter Modis Regierung hat die extremistische Gewalt gegen Muslime in Indien zugenommen.

So kam es auch in Assam in der Vergangenheit immer wieder zu Übergriffen gegen aus Bangladesch zugewanderte Muslime. Die Erstellung des Bürgerregisters hatte daher zusätzliche Ängste ausgelöst. Auch die in den USA ansässige Menschenrechtsgruppe Avaaz sieht einen religiösen Konflikt hinter der Registrierung. "Es sind wahrscheinlich nur Muslime, die das komplizierte und unfaire Beschwerdeverfahren durchlaufen müssen", erklärte die Organisation.