Bei anhaltenden Protesten im Süden des Irak sind nach Angaben von Rettungskräften elf Menschen getötet worden. Zehn der Opfer seien von Unbekannten erschossen worden, ein Mensch sei an Tränengas erstickt, hieß es in Mitteilungen. Den Angaben der Ärzte zufolge starben je drei Menschen in Basra, Samawa und Nadschaf und je einer in Diwaniyah und Kerbela. Bei den Protesten wurden auch Regierungsgebäude sowie Parteibüros verwüstet und angezündet. Die Behörden blockierten unter anderem die Seiten sozialer Netzwerke, um eine Ausbreitung der Proteste zu verhindern.  

Seit zwei Wochen gibt es im Süden des Landes Demonstrationen gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und fehlende staatliche Dienstleistungen, wie eine unzuverlässige Stromversorgung und zu wenig sauberes Wasser. Die Proteste hatten am 8. Juli in der Hafenstadt Basra begonnen, wo Sicherheitskräfte das Feuer auf Demonstranten eröffneten, und sich dann weiter ausgebreitet. Die Demonstrationen erreichten auch die Hauptstadt Bagdad. Dort gab es am Freitag Zusammenstöße zwischen aufgebrachten Protestierenden und Sicherheitskräften. Am Sonntag fanden neuerliche Proteste in der Stadt Samawa und Demonstrationen in der Stadt Nasiriyah statt. Dabei ertönten Rufe wie "Nein zur Korruption".

Im Süden des Irak liegen zwar gewaltige Ölfelder, doch viele Iraker werfen ihrer Führung vor, den Reichtum aus den Ölvorkommen nicht mit der Bevölkerung zu teilen. Deswegen hatten sich etwa 250 Menschen in der Nähe des Ölfeldes Subair versammelt, um dort gegen die schlechten Lebensbedingungen zu protestieren. Das Ölfeld bei Basra wird von einem Konsortium ausgebeutet, das der italienische Energiekonzern Eni anführt. Eni erklärte, die Ölförderung laufe trotz der Proteste normal.

Der Irak braucht Milliarden für den Wiederaufbau

Die Ölindustrie ist für die Wirtschaft des Landes sehr wichtig. Im Mai wurden allein in Subair nach irakischen Angaben 475.000 Barrel pro Tag gefördert. Der Irak ist der zweitgrößte Erdölexporteur der Opec nach Saudi-Arabien. Die Ausfuhren tragen 95 Prozent zu den Staatseinnahmen bei. Eine massive Störung der Ölförderung hätte daher nicht nur Auswirkungen auf den Ölpreis, sondern auch auf den Etat und die ohnehin lahmende Gesamtwirtschaft des Iraks. Das Land braucht nach dem drei Jahre dauernden Krieg gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" dringend Milliarden Dollar für den Wiederaufbau.

Nach den Parlamentswahlen im Mai befindet sich der Irak in einer verfahrenen politischen Lage. Ministerpräsident Haider al-Abadi versucht seither, eine neue Regierung aufzustellen. Sieger wurde nach vorläufigen offiziellen Angaben überraschend ein Bündnis um den Schiitenführer Moktada al-Sadr, das im Wahlkampf den Kampf gegen Korruption versprochen hatte. Iraks Oberstes Bundesgericht ordnete im Juni allerdings an, dass alle Stimmzettel per Hand neu ausgezählt werden müssen.