Im Süden Irans sind friedliche Proteste gegen eine mangelnde Wasserversorgung in teils gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei umgeschlagen. In der Hafenstadt Chorramschahr sei ein Demonstrant schwer verletzt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Mehrere Polizisten hätten leichte Verletzungen durch Wurfgeschosse erlitten. 

Augenzeugen berichteten von Toten nach Schüssen der Polizei. Irans Innenminister Abdulresa Rahmani Fasli bestätigte zwar, dass die Polizei Schusswaffen eingesetzt habe. Es sei aber niemand gestorben.

Am Freitag hatten in mehreren Städten in der südwestlichen Provinz Chusestan Demonstrationen begonnen, die zunächst friedlich waren, dann aber vor allem in Chorramschahr eskalierten. Nach Angaben von Irna gingen dort am Samstagabend etwa 500 zumeist junge Menschen auf die Straße. Die Demonstranten hätten Abfalleimer sowie eine Brücke in Brand gesteckt und weitere Sachschäden angerichtet, schrieb Irna. Die Polizei sei mit Tränengas gegen sie vorgegangen.

Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von Steinen und Scherben auf Bürgersteigen sowie von zerstörten Geldautomaten. Am Sonntagnachmittag berichtete das Fernsehen, der Frieden in Chorramschahr sei wiederhergestellt. Demonstranten seien festgenommen worden, eine Zahl wurde nicht genannt.

Grund für die Proteste war die Wasserversorgung: Mehrere Städte in Chusestan hatten in den vergangenen Tagen bei Temperaturen von mehr als 45 Grad Celsius kein Trinkwasser. In Chorramschahr beklagten Einwohner, dass aus den Leitungen nur salziges, trübes Wasser komme. Die iranische Wetterbehörde schätzt, dass derzeit 97 Prozent des Landes von der anhaltenden Trockenheit betroffen sind. Beobachter machen allerdings auch Fehlentscheidungen der Behörden für die Wasserknappheit an einigen Orten verantwortlich.

In Teheran protestierten Händler wegen der wirtschaftlichen Lage

Der Gouverneur von Chusestan, Gholam-Resa Schariati, zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit der Bürger. "Wir entschuldigen uns", sagte er laut der Nachrichtenagentur Isna. "Wir sind dabei, das Problem zu beheben und die legitimen Sorgen der Bürger auszuräumen." Das Problem mit der Wasserversorgung sei auf einen Rohrbruch zurückzuführen, der jedoch in den nächsten Tagen repariert werde, wird der Gouverneur zitiert.

Auch in der iranischen Hauptstadt Teheran hatte es zuletzt Proteste gegeben. Am Montag und Dienstag dieser Woche hatten zahlreiche Händler auf dem großen Basar gegen die fortschreitende Entwertung der iranischen Währung und die Devisenpolitik der Regierung demonstriert. In sozialen Medien gab es Berichte, dass junge Iraner Parolen gegen das islamische Regime unter Präsident Hassan Ruhani skandiert hätten.   

Der iranische Vizepräsident Eschagh Dschahangiri sagte in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede: Dass die USA nach ihrer Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran ihre Sanktionen gegen das Land wieder in Kraft gesetzt hätten, sei bei Weitem nicht der einzige Grund für die Krise. Vielmehr leide die Wirtschaft unter vielen Übeln, darunter Irans Abhängigkeit vom Erdöl, die schwach ausgeprägte Privatwirtschaft und die Instabilität des Bankensektors.

Anfang des Jahres war es im Iran zu größeren regierungskritischen Protesten gekommen, die international Aufmerksamkeit erregt hatten. Tausende Menschen wurden bei den Demonstrationen verhaftet, die sich erst gegen wirtschaftliche Missstände und dann gegen die iranische Führung richteten.