Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat sich während seines ersten Israel-Besuchs gegen Antisemitismusvorwürfe gewehrt. Zu Beginn seines Treffens mit seinem israelischen Amtskollegen Benjamin Netanjahu versicherte der ungarische Staatschef, dass es "null Toleranz" für Judenfeindlichkeit in seinem Land gebe. "Alle jüdischen Bürger in Ungarn stehen unter dem Schutz der Regierung und darauf sind wir stolz", sagte er. Orbán sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, in seinem Land antisemitische Ressentiments anzuheizen.

Israels Premier verteidigte den Ungarn gegen diese Vorwürfe. Er dankte Orbán dafür, dass er Israel in internationalen Einrichtungen in Schutz nehme. "Wir beide verstehen, dass die Bedrohung durch den radikalen Islam echt ist", sagte Netanjahu.

Netanjahu: Orbán, ein "wahrer Freund Israels"

Netanjahu und Orbán lobten sich während der Pressekonferenz gegenseitig für ihre jeweiligen Positionen. Der ungarische Ministerpräsident habe sich in internationalen Foren "wieder und wieder" für Israel eingesetzt, sagte Netanjahu. Er habe mit Orbán als ein "wahrer Freund Israels" über die Notwendigkeit der Bekämpfung des Antisemitismus gesprochen. Der ungarische Staatschef bezeichnete den israelischen Premier als "einen jüdischen Patrioten". Zudem rühmte er die Kooperation zwischen ihren Ländern.

Die Beziehungen zwischen den Politikern gelten als gut. Der israelische Premier bemüht sich um enge Beziehungen zu den EU-Staaten, die sein Land auch in strittigen Themen unterstützen. Dazu gehört auch Ungarn. Netanjahu hatte das Land vor einem Jahr besucht, zuvor hatte er es immer wieder unterstützt – wofür er sowohl von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Ungarn als auch der israelischen Opposition kritisiert wurde. 

Nach der Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und ihre Botschaft dorthin zu verlegen, hatte sich die ungarische Regierung bei einer Abstimmung der UN-Vollversammlung enthalten. Die meisten anderen Staaten hatten den Schritt verurteilt. Gemeinsam mit Tschechien und Rumänien hatte Ungarn außerdem eine EU-Entschließung blockiert, die die US-Entscheidung kritisierte.

Kritik an Kampagne gegen George Soros

Israels Opposition kritisierte den Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten. Er hatte erst im vergangenen Jahr den rechts-autoritären Führer und Hitler-Verbündeten Miklós Horthy gelobt und ihn als "außergewöhnlichen Staatsmann" bezeichnet. Eine Kampagne von Orbáns Regierung gegen den liberalen US-Milliardär George Soros wurde ebenfalls als antisemitisch gewertet. In einer Plakataktion hieß es, dass der gebürtige Ungar uneingeschränkt Geflüchtete in das osteuropäische Land lassen wolle. Viktor Orbán bezeichnete den jüdischen Soros gar als "Feind des Volkes". Der Staatschef betont immer wieder, dass das Christentum Europa definiere.

Der nationalistische Kurs Ungarns wird in Brüssel kritisch gesehen. Am Donnerstag verklagte die EU-Kommission die ungarische Regierung, weil sie mit ihrem Umgang mit Asylbewerberinnen und -bewerbern gegen europäisches Recht verstoße. Orbán versucht seit 2015, Ungarn strikt gegen Flüchtlinge abzuschotten, ließ unter anderem einen Zaun an der Grenze errichten. Erst am Mittwoch verkündete die Regierung in Budapest zudem, dass sie sich aus dem UN-Migrationspakt zurückziehe. 

Während seines Besuchs in Israel will Orbán auch den Staatspräsidenten Reuven Rivlin treffen. Außerdem kündigte er einen Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an. Dabei wird mit Protesten gerechnet. Am Freitag besucht der Ministerpräsident die Klagemauer in Jerusalem. Er plant kein Treffen mit führenden Vertretern der Palästinenser – anders als es für führende EU-Politiker üblich ist.