Der neue britische Außenminister Jeremy Hunt hat vor dem Scheitern der Brexit-Verhandlungen gewarnt. Es gebe "jetzt eine sehr echte Gefahr eines Brexit-No-Deals aus Versehen", sagte Hunt nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Berlin. Laut Hunt liegt dies daran, dass derzeit viele in der EU der Ansicht seien, man müsse nur lange genug warten, und dann werde Großbritannien schon nachgeben. Doch das werde Hunt zufolge nicht passieren.

Hunt forderte von den EU-Unterhändlern eine "konstruktivere Rolle". In den Verhandlungen sei ein "wirklich neuer Ansatz" der Europäischen Union notwendig. Ein Scheitern wäre nicht nur wirtschaftlich extrem herausfordernd. "Meine eigentliche Befürchtung ist, dass es die Haltung der britischen Öffentlichkeit gegenüber Europa für eine Generation verändern würde", sagte Hunt.

Irland-Frage weiterhin unklar

Derzeit stocken die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Differenzen gibt es vor allem über die Bedingungen einer neuen Handelsvereinbarung und die Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland. Da noch viele Fragen ungeklärt sind, hat auch die EU in der vergangenen Woche die Befürchtung geäußert, dass es letzten Endes kein Abkommen mit Großbritannien geben könnte. Unternehmen und EU-Mitgliedsstaaten sollten sich auf dieses "schlechtestmögliche Ergebnis" vorbereiten, hieß es in einem Schreiben der EU-Kommission.

Die britische Premierministerin Theresa May will einen sogenannten weichen Brexit erreichen, bei deM es eine Freihandelszone für Waren und Agrarprodukte, aber nicht für Dienstleistungen geben würde. Allerdings sind etliche Abgeordnete ihrer konservativen Partei für einen vollständigen Bruch mit der EU. Im Streit über den Brexit-Kurs sind Anfang Juli der bisherige Außenminister Boris Johnson und Brexit-Minister David Davis zurückgetreten.

Maas lobt Weißbuch als wichtigen Schritt zu einem geordneten Brexit

Beim Treffen mit seinem britischen Amtskollegen sagte Außenminister Maas, Deutschland wolle ein Brexit-Abkommen. Das kürzlich von den Briten vorgelegte Weißbuch, das die Vorstellungen der britischen Regierung in den Verhandlungen umfasst, sei ein wichtiger Beitrag, um "Schritt für Schritt zu einem geordneten Brexit zu kommen". Allerdings seien noch weitere Gespräche notwendig, um auch nach dem Brexit eine "enge und freundschaftliche Partnerschaft" zu haben.

Zur Drohung des neuen Brexit-Ministers Dominic Raab wollte sich Maas nicht äußern. Raab hatte gesagt, die britische Regierung werde möglicherweise nicht die 39 Milliarden Pfund (43,7 Milliarden Euro) für die Trennung von der EU zahlen. Er machte das davon abhängig, ob es ein Handelsabkommen mit der EU geben werde oder nicht.

Das Vereinigte Königreich will zum 29. März 2019 die EU verlassen. Ein Abkommen muss noch vom EU-Parlament und den nationalen Parlamenten ratifiziert werden.

Sollte hingegen kein Abkommen zustande kommen, müssten zum Beispiel Zollkontrollen eingeführt werden. Die irische Regierung hat in der vergangenen Woche bereits konkrete Schritte für ein No-Deal-Szenario beschlossen. Darin vorgesehen sind unter anderem Hunderte zusätzliche Zollbeamte und Experten für Ein- und Ausfuhrkontrollen.