Die Anklage gegen zwölf russische Geheimdienstler wegen Hackerangriffen auf die US-Demokraten im Wahljahr 2016 bringt die Enthüllungsplattform WikiLeaks in Erklärungsnot: Demnach hat es eine Korrespondenz zwischen WikiLeaks und einer offenbar fiktiven Person namens Guccifer 2.0 gegeben, in der beide Seiten gemeinsam überlegen, wie sich ein Sieg der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton verhindern ließe. WikiLeaks-Gründer Julian Assange hatte 2017 bestritten, die gestohlenen E-Mails der Demokraten von der russischen Regierung zu haben.

Laut den von Sonderermittler Robert Mueller erhobenen Vorwürfen hat die Enthüllungsplattform das Material von einer Person erhalten, die direkt vom russischen Militärgeheimdienst GRU kontrolliert wurde. WikiLeaks habe den russischen Hackern auch Ratschläge erteilt, wie sie die gestohlenen Informationen verbreiten können, hieß es in der Anklageschrift des US-Justizministeriums.

Wusste Assange, wem er mit der Veröffentlichung hilft?

Ob Assange wusste, dass hinter Guccifer 2.0 womöglich russische Agenten steckten, wird in der Anklage nicht behauptet. Doch erscheint es aus Expertensicht unwahrscheinlich, dass der WikiLeaks-Gründer, der sich als Hacker mit Angriffen auf US-Militärnetzwerke brüstete, umfangreiche Medienberichte über Hackervorwürfe gegen den Kreml verpasst haben könnte.

Dem Fox-News-Moderator Sean Hannity sagte Assange Anfang vergangenen Jahres in seinem Zufluchtsort in der ecuadorianischen Botschaft in London, dass die Kontrolle über Veröffentlichungen von WikiLeaks allein bei ihm läge. "Es gibt eine Person in der Welt, und nur eine, die genau weiß, was bei unseren Publikationen los ist, und das bin ich", sagte er.

Am 22. Juni 2016 soll WikiLeaks eine von Tippfehlern wimmelnde Nachricht an Guccifer 2.0 geschickt haben. Das Material über die Enthüllungsplattform zu verbreiten werde "eine viel größere Wirkung haben als das, was Sie gerade tun", zitiert das Justizministerium in der Anklageschrift den Schriftverkehr. "Wenn Sie irgendwas haben, das mit Hillary zu tun hat, hätten wir es gerne in den nächsten zwei Tagen, da der Parteitag der Demokraten näher rückt und sie (Clinton) danach die Anhänger von Bernie hinter sich sammeln wird."

"Konflikt zwischen Bernie und Hillary wäre interessant"

Damit spielte WikiLeaks auf Clintons innerparteilichen Rivalen Bernie Sanders und den Nominierungsparteitag der Demokraten am 6. Juli 2016 an. "Wir denken, dass Trumps Chancen eines Sieges über Hillary bei nur 25 Prozent liegen ... Also wäre Konflikt zwischen Bernie und Hillary interessant", heißt es weiter. Damals gab es wegen der gestohlenen E-Mails schwelende Spannungen zwischen Anhängern von Clinton und Sanders, die beim Nominierungsparteitag offen zutage traten.

Im Juni 2016 hatte die Techwebsite Motherboard die Behauptung von Guccifer 2.0 widerlegt, ein in Eigenregie handelnder rumänischer Hacker zu sein.