Die kommunistische Führung von Nordkorea hat angekündigt, anlässlich des 70. Jubiläums der Staatsgründung eine Amnestie für Strafgefangene zu gewähren. Den Straferlass sollten Personen erhalten, die wegen "Verbrechen gegen das Land und seine Menschen" verurteilt worden seien, meldeten staatliche Medien. Demnach heißt es in einem Dekret der Obersten Vollversammlung, dass die Amnestie am 1. August in Kraft treten soll. Das ist gut einen Monat vor dem Feiertag der Staatsgründung am 9. September.

Das Kabinett und die entsprechenden Organe würden "praktische Maßnahmen ergreifen, um den freigelassenen Menschen zu helfen, ein normales Arbeitsleben zu führen", heißt es weiter. Eine genaue Zahl, wie viele Häftlinge befreit werden sollen, wurde nicht genannt. Zuletzt hatte die Regierung von Machthaber Kim Jong Un 2015 eine Amnestie gewährt. 

Nach Schätzungen der US-Regierung hält das Regime zwischen 80.000 und 120.000 politische Gefangene in Lagern fest. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet von systematischen und weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen: In den vier bekannten Gefangenenlagern müssten Häftlinge Zwangsarbeit leisten, zudem gebe es Folter. Viele der Gefangenen seien nicht wegen tatsächlichen Straftaten verhaftet worden, sondern weil sie willkürlich mit staatsfeindlichen Aktivitäten in Verbindung gebracht worden seien.

Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Nordkorea, Tomas Ojea Quintana, hatte vor einem guten Monat eine Amnestie für Gefangene gefordert. Diese wäre ein Zeichen, dass Nordkorea es ernst meine mit der Öffnung zur Außenwelt, sagte er. Der UN-Experte wies in der Vergangenheit immer wieder auf Folter und Misshandlungen in Internierungs- und Arbeitslagern hin. Zuletzt sprach er sich dafür aus, dass die Menschenrechtsverletzungen in den laufenden Gesprächen zwischen Nordkorea und den USA eine Rolle spielen sollten.

US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un hatten sich im Juni in Singapur getroffen und eine Annäherung ihrer Länder vereinbart. Nordkorea sagte die vollständige nukleare Abrüstung der koreanischen Halbinsel zu, die USA versprachen dem international isolierten Land im Gegenzug Sicherheit. Trump zufolge soll es in Zukunft mindestens ein weiteres Treffen mit Kim geben.