Der italienische Innenminister Matteo Salvini hat die Annexion der Krim durch Russland gerechtfertigt und sich damit als EU-Mitgliedsstaat gegen die Linie der Europäischen Union und auch der USA gestellt. "Es gab ein Referendum", sagte der Chef der in Teilen rechtsextremen Lega der Washington Post. 90 Prozent der Menschen hätten sich für die Rückkehr der Krim in die Russische Föderation ausgesprochen.

Salvini bezog sich mit seinen Aussagen auf das Referendum, das erst nach der Annexion der Krim erfolgte. Die Schwarzmeerhalbinsel wurde Anfang März 2014 von Russland annektiert. Von westlichen Staaten wurde dieser Schritt als Völkerrechtsbruch verurteilt. Bis heute erkennen die EU-Mitgliedsstaaten das Vorgehen Russlands nicht als legitim an. 

Umstritten war auch das Referendum, das am 16. März 2014 folgte: Von einer nicht demokratischen, aus Russland gelenkten Abstimmung war die Rede. Auf der Halbinsel patrouillierten zu diesem Zeitpunkt russische Soldaten, es gab Berichte über Drohungen und Einschüchterungsversuche in der Bevölkerung.

Mit Italien vollzieht ein EU-Mitgliedsstaat nun erstmals eine Wende: Die neue Regierung hat angekündigt, gegenüber Russland einen freundlicheren Kurs verfolgen zu wollen. Salvini, der auch der Vizeministerpräsident in der Regierung aus Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung ist, gilt als russlandfreundlich und war erst vor einigen Tagen in Moskau, wo er seinen russischen Amtskollegen traf. Er spricht sich auch für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland aus, weil diese seines Erachtens Italien schadeten.