Obwohl noch immer Hunderte Migrantenkinder in den USA von ihren Eltern getrennt festgehalten werden, hat die US-Regierung die Zusammenführung der Familien für beendet erklärt. Der zuständige Bundesrichter der US-Regierung sagte, seine Anordnung sei umgesetzt. Das Verfahren zur Zusammenführung der Familien sei fristgemäß "abgeschlossen" worden, sagte Richter Dana Sabraw im kalifornischen San Diego. Dafür verdiene die US-Regierung "große Anerkennung".

Bis zum Donnerstag war die US-Regierung angehalten, alle Minderjährigen in einem Alter ab fünf Jahren wieder mit ihren Eltern zusammenzubringen. Daran habe man sich gehalten, hieß es vonseiten der US-Regierung. Rund 1.800 Migrantenkinder ab einem Alter von fünf Jahren seien zu ihren inhaftierten Eltern gebracht oder freigelassen worden, teilte das US-Justizministerium mit.
Die übrigen rund 700 festgehaltenen Einwanderkinder hätten nicht mit ihren Eltern zusammen gebracht werden können, weil die Eltern Vorstrafen hätten, an ansteckenden Krankheiten litten – oder bislang unauffindbar seien. Bei mehr als 400 von ihnen sollen die Eltern die USA bereits verlassen haben.

Richter Sabraw sagte dazu, die Suche nach den Eltern dieser Kinder sei nun "das zweite Stadium", das die Regierung absolvieren müsse. Stufe drei bestehe darin, mit einem Protokoll sicherzustellen, dass solch eine Trennung von Einwandererfamilien "nie mehr passiert".

Bürgerrechtler kritisieren geschönte Angaben

Die einflussreiche US-Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU), die mit ihrer Klage die Familienzusammenführung erwirkt hatte, warf der US-Regierung vor, die Angaben zu schönen. Sie bestimme einseitig, wer für eine Familienzusammenführung in Frage komme und wer nicht, sagte ACLU-Vertreter Lee Gelernt. "Wir werden die Regierung weiter zur Verantwortung ziehen und dazu bringen, diese Familien wieder zusammenzubringen."

Die US-Behörden hatten im Zuge einer "Null-Toleranz-Politik" gegenüber der illegalen Einwanderung in den vergangenen Monaten zahlreiche Migrantenfamilien – die meisten davon aus Zentralamerika – nach dem Grenzübertritt getrennt. Die Eltern wurden als Straftäter behandelt und inhaftiert, die Kinder auf Heime im ganzen Land verteilt. 

Nachdem in US-Medien und auch international über die Trennung der Familien berichtet worden war und selbst die Frau des US-Präsidenten, Melania Trump, die Praxis kritisiert hatte, stoppte Donald Trump im Juni per Dekret diese rigorose Praxis.
Eine frühere Frist zur Wiedervereinigung der Kinder unter fünf Jahren war bereits am 10. Juli abgelaufen. 45 der etwa hundert Kinder in dieser Altersgruppe konnten nach Angaben der Behörden ebenfalls nicht wieder mit ihren Eltern zusammengebracht werden.