Italien hat für eine Übergangsphase zugesagt, weiter Flüchtlinge aufzunehmen, die von Schiffen der EU-Marinemission Sophia aus dem Meer gerettet werden. Das gelte bis zu der von der EU angestrebten Neuausrichtung des Einsatzes, die innerhalb der kommenden fünf Wochen erfolgen soll, sagte der italienische Außenminister Enzo Moavero Milanesi nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Heiko Maas in Berlin.

Die italienische Regierung hatte zuletzt gedroht, keine Migranten mehr aufzunehmen, die im Zuge des Einsatzes gegen Schleuserkriminalität aus dem Mittelmeer gerettet werden. Um zu verhindern, dass EU-Schiffe Migranten an Bord nehmen, die dann nirgendwo an Land gehen können, hatte der zuständige Einsatzführer Enrico Credendino in der vergangenen Woche angeordnet, dass sich alle an der Operation beteiligten Schiffe bis zu diesem Montag aus dem Einsatzgebiet zurückziehen und in Häfen einlaufen sollen.

Die anderen EU-Staaten sagten Italien daraufhin nach Krisengesprächen zu, in den nächsten fünf Wochen eine neue Strategie zum Umgang mit bei dem Einsatz geretteten Migranten zu vereinbaren. An dem Einsatz ist auch die Bundeswehr beteiligt. Das deutsche Schiff Mosel stach am Montag nach einem längeren Aufenthalt in einem Hafen auf der griechischen Insel Kreta wieder in See.

Bereits im Juni hatte Italien erklärt, keine Flüchtlinge mehr an Land gehen zu lassen, die von nichtstaatlichen Hilfsorganisationen im Mittelmeer gerettet wurden.

Der eigentliche Auftrag der EU-Marineschiffe ist die Bekämpfung der Schleuserkriminalität vor der libyschen Küste. Seit 2015 haben sie aber auch fast 50.000 Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht. Die italienische Regierung will nun eine Verteilung der Flüchtlinge auch auf andere EU-Länder erreichen, stellt den Einsatz aber nicht grundsätzlich in Frage. "Es geht nicht um eine neue Mission Sophia, es geht um die operativen Regeln", sagte Moavero Milanesi. Er hoffe auf ein ausgewogenes Ergebnis der anstehenden Beratungen.