Syrische Armeestellungen im Südwesten des Landes sind Berichten der Staatsmedien zufolge Ziel israelischer Luftangriffe geworden. Die israelische Luftwaffe habe "eine Reihe von Raketen auf mehrere Armeestellungen" in der südwestsyrischen Provinz Kuneitra abgefeuert, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Es sei Sachschaden entstanden.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf Angaben von Aktivisten vor Ort beruft, teilte mit, die mutmaßlich von Israel abgefeuerten Raketen hätten den Norden der Provinz und Gebiete entlang der Grenze zu den Golanhöhen getroffen.

Zuvor hatte die israelische Armee mitgeteilt, eine aus Syrien abgefeuerte Drohne mithilfe eines Raketenabwehrsystems abgefangen zu haben. In einer Erklärung des Militärs hieß es, das Patriot-Abwehrsystem habe das in den israelischen Luftraum eingedrungene Geschoss als Bedrohung gewertet und abgeschossen. Auf Syriens größtenteils von Israel besetzten und annektierten Golanhöhen wurde demnach Alarm ausgelöst.

Menschen fehlt humanitäre Unterstützung

Seit der am 19. Juni begonnenen Offensive Russlands und Syriens in der südsyrischen Provinz Daraa ist die israelische Armee besonders wachsam. Anfang Juli verstärkte sie die Truppenpräsenz im israelisch besetzten Teil des Golan. In der Erklärung vom Mittwoch hieß es zunächst, die "Politik der Nichteinmischung in den Syrien-Konflikt" bleibe unverändert, solange Israels "Souveränität nicht infrage gestellt" und seine Bürger nicht bedroht seien. Die israelische Armee hat in der Vergangenheit allerdings mehrfach Ziele in Syrien attackiert. Dabei handelte es sich meist um iranische Ziele oder Ziele von mit dem Iran verbündeten Gruppen wie der libanesischen Hisbollah-Miliz.

In Daraa fehlt es laut Hilfsorganisationen Tausenden Menschen an Nothilfe. "In Daraa und Umgebung sind durch die Kämpfe Tausende Familien vertrieben und ihre Häuser zerstört worden", sagte der Leiter des Oxfam-Hilfsprogramms in Syrien, Moutaz Adham. Flüchtlinge benötigten aufgrund des heißen Sommers dringend Nahrungsmittel, Wasser und Medizin. Sie seien jedoch häufig von Hilfe abgeschnitten.

Über das Nachbarland Jordanien kommen den Angaben zufolge zu wenig Hilfslieferungen nach Syrien und das Land nehme derzeit keine weiteren Flüchtlinge auf. Die Organisation verlangte von Jordanien trotz der "schweren Last", die das Land bereits trage, Flüchtlinge in das Land zu lassen. In Jordanien leben rund 9,5 Millionen Einwohner, davon sind etwa 1,5 Millionen syrische und irakische Flüchtlinge.

Ein am vergangenen Freitag beschlossener Waffenstillstand zwischen syrischen Regierungstruppen und lokalen Milizen sei brüchig und die Unsicherheit über die Zukunft groß, heißt es von Oxfam. Während einer zweiwöchigen Offensive der Regierungstruppen flohen demnach 330.000 Menschen aus der Gegend. 

Syrien - Hunderttausende fliehen vor Luftangriffen Syrische Regierungstruppen haben mithilfe russischer Kampfjets die Bombardements in Südsyrien fortgesetzt. Laut UN befinden sich 270.000 Menschen auf der Flucht. © Foto: Mohamad Abazeed/AFP/Getty Images