Israel lässt den einzigen Warenübergang in den Gazastreifen in Teilen wieder öffnen. Nachdem er zwei Wochen geschlossen war, dürfen ab dem Mittag wieder Treibstoff, Gas, Lebensmittel und Medikamente in den Küstenstreifen transportiert werden. Das habe der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman beschlossen, teilte sein Büro mit. Israel hatte den Übergang Kerem Schalom am 9. Juli geschlossen, nur humanitäre Hilfen waren von der Sperrung ausgenommen. Als Grund nannte Israel die fortwährenden Attacken aus dem Gazastreifen mit brennenden Drachen.

Die radikalislamische Hamas im Gazastreifen versuche, "auf einem niedrigen Level Angriffe mit Brandballons und Konfrontationen am Grenzzaun fortzusetzen", hieß es aus Liebermans Büro. Der Warenübergang werde daher nicht ganz geöffnet. Erst wenn die Attacken militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen vollständig aufhörten, würde der Übergang komplett geöffnet.

Noch am Montag hatte Israel einen Luftangriff auf den Gazastreifen geflogen. Ziel war nach Angaben der israelischen Armee eine Gruppe von Terroristen, die Luftballons mit Brandsätzen geschickt hätten. Verteidigungsminister Lieberman sagte nach dem Angriff, Israel habe kein Interesse an einem Gazakrieg. Man sei aber nicht bereit, Brandanschläge durch Drachen oder Ballons hinzunehmen. 

Seit Ende März lösten brennende Drachen nach israelischen Angaben Hunderte Feuer im Grenzgebiet zu Gaza aus und sorgten für Sachschäden in Millionenhöhe. Zudem landeten Heliumballons mit kleinen Sprengsätzen aus dem Gazastreifen in Israel.

Der Gazastreifen ist weitgehend abgeriegelt, seit die radikalislamische Organisation Hamas 2007 die Macht übernahm. Die Hamas bekämpft Israel militärisch und wird sowohl von Israel als auch von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind in dem schmalen Küstenstreifen auf Hilfslieferungen angewiesen.

Im Gazastreifen wird der Treibstoff knapp

Durch die Schließung des Grenzübergangs Kerem Schalom hat sich die Versorgungslage im Gazastreifen weiter verschlechtert. Seit einer Woche wird auch der Treibstoff knapp: Israel stoppte seine Lieferungen, außerdem wurde die zentrale Stromleitung von Israel in den Gazastreifen beschädigt. Nach Angaben der israelischen Armee waren dafür Raketen der Hamas verantwortlich.

Am Montag verschärfte sich die Stromkrise im Gazastreifen weiter, nachdem das einzige Kraftwerk wegen Treibstoffmangels abgeschaltet worden war. Die Einwohnerinnen und Einwohner haben nach Angaben aus Gaza nur sechs Stunden am Tag Strom. Viele Menschen behelfen sich mit Generatoren, um stundenweise Strom zu erzeugen. Außer durch das Kraftwerk erhält der Gazastreifen Strom von Israel und Ägypten.

Seit Langem kritisieren Menschenrechtsorganisationen, die Lebensumstände der Menschen im Gazastreifen seien unerträglich. Sie warnen vor verschmutztem Wasser und schlechten sanitären Bedingungen.

Israel rechtfertigt seine vor mehr als zehn Jahren begonnene Blockade des Gazastreifens, die auch von Ägypten mitgetragen wird, mit Sicherheitserwägungen.