Nach dem jüngsten Gewaltausbruch hat die Palästinensergruppe Hamas nach eigenen Angaben mit Israel eine Wiederherstellung der Waffenruhe im Gazastreifen vereinbart. Die Einigung sei unter Vermittlung Ägyptens und der Vereinten Nationen erreicht worden, sagte ein Hamas-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Man habe sich auf eine "Rückkehr zum vorherigen Zustand der Ruhe" geeinigt. 

Israel bestätigte die Hamas-Ankündigung zunächst nicht. Eine Armeesprecherin sagte aber, dass es keine Militäreinsätze im Gazastreifen mehr gebe. Palästinensische Bewohner berichteten, dass die Lage sich wieder beruhigt habe. Die israelische Regierung und die Armee äußern sich selten zu Waffenruhen. Die Armeesprecherin sagte allerdings, das zivile Leben in den Gebieten nahe dem Gazastreifen solle demnächst zur Normalität zurückkehren.

Die Feuerpause hält

Zuvor sollen bei militärischen Auseinandersetzungen im Gazastreifen mindestens fünf Menschen getötet worden sein. Das Gesundheitsministerium in Gaza teilte mit, dass vier Palästinenser unter den Opfern seien. Laut der Hamas handelt es sich bei dreien davon um Mitglieder ihrer Organisation. Zur Identität des vierten palästinensischen Opfers war zunächst nichts bekannt. Die israelische Armee teilte mit, unter den Opfern sei ein israelischer Soldat, der von einem Scharfschützen an der Grenze erschossen wurde. Es ist das erste Mal, dass bei den seit März anhaltenden gewaltsamen Protesten im Gazastreifen ein Israeli getötet wurde. Der Soldat sei der erste, der seit dem Krieg zwischen Israel und der Hamas im Jahr 2014 an der Gazafront im Dienst getötet wurde, erklärte die israelische Armee laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung Haaretz.

Die nun verkündete Feuerpause hält:  In der Nacht seien keine Raketen oder Mörsergranaten mehr auf israelisches Gebiet gefeuert worden, teilte die israelische Armee mit. Auch von israelischer Seite gab es keine neuen Angriffe in dem Küstenstreifen. 

Militante Palästinenser hatten zuvor laut Medienberichten Raketen und Mörsergranaten auf israelisches Gebiet gefeuert. Kurze Zeit später bombardierte Israels Armee mit Kampfjets zahlreiche Ziele im Gazastreifen. Ein Armeesprecher sagte, die Tötung des Soldaten sei etwas, das die Armee "nicht tolerieren kann". Die Einwohner entlang des Gazastreifens wurden aufgerufen, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten. Es war von einem "großflächigen Angriff israelischer Kampfjets gegen Hamas-Militärziele im gesamten Gazastreifen" die Rede. Israels Militär sei in erhöhter Alarmbereitschaft. Lokale Medien schrieben, es handele sich um den "schlimmsten Zwischenfall seit dem Gaza-Krieg 2014".

UN-Gesandter warnt vor "Abgrund"

Der UN-Nahostgesandte Nickolaj Mladenow, der sich zuletzt gemeinsam mit Ägypten intensiv um eine Beruhigung der Lage bemüht hatte, twitterte: "Alle in Gaza müssen einen Schritt zurück vom Abgrund gehen. Nicht nächste Woche. Nicht morgen. Jetzt sofort!" Jene, die "Palästinenser und Israelis dazu provozieren wollen, einen weiteren Krieg zu führen, dürfen keinen Erfolg haben."

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beriet am Freitagabend bei einer Dringlichkeitssitzung in Tel Aviv mit der Militärführung über das weitere Vorgehen. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte zuvor gesagt, die Hamas dränge Israel mit aller Macht zu einer "breiten und schmerzhaften Militäroffensive".

Angriffe seit Ende März

Seit Ende März sind bei teilweise gewaltsamen Protesten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 147 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und Tausende verletzt worden. Ägyptische Vermittler hatten die Hamas schon am vergangenen Sonntag zu einer Waffenruhe bewegt, die zunächst aber hielt. Am Freitag kündigte Hamas-Führer Chalil al-Hajja weitere Gewaltaktionen an. Er sagte: "Die Proteste werden bleiben, brennend und existierend, und ihre Werkzeuge werden sich vervielfältigen und diversifizieren, darunter Drachen, bis unsere Ziele erreicht sind."

Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Bei dem Konflikt wurden insgesamt 2.250 Palästinenser getötet oder starben infolge ihrer Verletzungen, auf der israelischen Seite gab es 74 Tote.