Die EU hat sich besorgt über die Eskalation der Proteste in Nicaragua gezeigt. "Die gesamte Gewalt muss jetzt aufhören", heißt es in einer Mitteilung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. In der Nacht zum Sonntag waren bei Zusammenstößen zwischen Zivilisten und regierungsnahen Paramilitärs erneut fünf Menschen getötet worden. Insgesamt sind nach Angaben der Regierung bisher 50 Menschen getötet worden. Menschenrechtler sprechen dagegen von mehr als 270 Toten und mehr als 2.000 Verletzten.

Die EU forderte in der Mitteilung eine friedliche und demokratische Lösung für die Situation. Die Angriffe auf Studenten und Zivilisten seien bedauerlich, ebenso wie die verzögerte Bereitstellung medizinischer Hilfe. Menschenrechtsorganisationen verlangen außerdem Korridore, um Verletzte außer Gefahr bringen zu können.

Angriff auf Universitätsgebäude

Auch am Samstag waren bei Angriffen von Regierungstruppen zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Nach Berichten der regierungskritischen Tageszeitung La Prensa eröffneten regierungsnahe Paramilitärs das Feuer auf die Nationale Autonome Universität in Managua, in der sich oppositionelle Studierende verschanzt hatten. Mehr als 200 Menschen hatten einen Teil des Universitätsgeländes besetzt, um eine Reform der Studentenorganisation Unión Nacional de Estudiantes de Nicaragua (UNEN) zu fordern. Die Studentenorganisation ist der politische Arm der Regierungspartei.

Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen: Damals schlugen Polizisten Demonstrationen gegen geplante Sozialreformen gewaltsam nieder. Die Pläne beinhalteten unter anderem Rentenkürzungen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Mittlerweile fordern die Demonstranten den Rücktritt von Präsident Daniel Ortega, ein Ende der Gewalt und Pressefreiheit.

Präsident Ortega macht die Opposition für die Gewalt verantwortlich. Vorgezogene Neuwahlen, wie von seinen Gegnern gefordert, lehnt er ab. Die Vizepräsidentin und Ehefrau des Präsidenten, Rosario Murillo, sagte Anfang Juli, die Regierung werde weiterhin "hart dafür arbeiten, einen Putschversuch durch eine antipatriotische Minderheit zu verhindern".