In Nicaragua sind Hunderte Anhänger der Regierung von Präsident Daniel Ortega in eine Kirche eingedrungen und haben dort Bischöfe, Journalisten und Ärzte angegriffen. Der Vorfall ereignete sich am Montag in der Basilika von Diriamba rund 45 Kilometer von der Hauptstadt Managua entfernt. Seit Sonntag verharren dort Demonstrierende, Regierungsanhänger umstellen sie. Die Bischöfe waren aus Managua angereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Auch Ärzte waren als freiwillige Helfer vor Ort.

Bei dem Angriff wurden unter anderem der Weihbischof von Managua, Silvio Báez, und ein Reporter des Fernsehsender Canal 15 verletzt. "Was wir Bischöfe erlitten haben, ist aber nichts verglichen mit dem, was das Volk von Nicaragua in den vergangenen Tagen erlitten hat", sagte Báez.

"Die Regierung hat mit ihrer Unterdrückung alle Grenzen des Vorstellbaren überschritten. Das sind Kriminelle", sagte Azáhalea Solís von der Oppositionsbewegung Alianza Cívica. Auch die Regionalchefin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Erika Guevara-Rosas, verurteilte den Angriff.

Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen, als Polizisten Demonstrationen gegen geplante Sozialreformen gewaltsam niederschlugen. Diese beinhalteten unter anderem Rentenkürzungen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Mittlerweile fordern die Demonstranten den Rücktritt von Ortega, ein Ende der Gewalt und eine freie Presse.

Rund 250 Menschen getötet

Rund 250 Menschen wurden bereits getötet und knapp 2.000 weitere verletzt. Die Regierung spricht von 47 Toten. Allein am Sonntag sollen mindestens zwölf Menschen getötet worden sein. Unter den Opfern waren auch zwei Polizisten. "Heiliger Gott. So viel Tod, so viel Schmerz. Stoppt diese Barbarei", twitterte der Bischof von Matagalpa, Rolando Alvarez. Die katholische Kirche vermittelt in dem Konflikt im Land. Nach der Gewalt vom Sonntag stellen die Bischöfe die Fortsetzung ihrer Vermittlungsbemühungen aber infrage.

Die Vizepräsidentin und Ehefrau des Präsidenten, Rosario Murillo, sagte nach den jüngsten Auseinandersetzungen, die Regierung werde weiterhin "hart dafür arbeiten, einen Putschversuch durch eine antipatriotische Minderheit zu verhindern". Vorgezogene Neuwahlen, wie von der Opposition gefordert, lehnt Präsident Ortega ab. "Wir können die Regeln nicht von einem Tag auf den anderen ändern, weil es einer Gruppe von Putschisten gerade so einfällt", sagte Ortega.