Im Konflikt mit Regierungsgegnern haben Polizei und regierungstreue bewaffnete Zivilisten die Kontrolle über ein symbolisch wichtiges Stadtviertel in der Stadt Masaya übernommen. Der Einsatz begann am Dienstag vor Sonnenaufgang, am Nachmittag war der Stadtteil Monimbó erstmals seit Beginn der Proteste gegen Präsident Daniel Ortega Mitte April wieder in der Hand der Regierungskräfte. Monimbó hatte sich zuletzt zu einem Zentrum des Widerstands gegen Ortega entwickelt.

Der Vorsitzende des Menschenrechteverbands in Nicaragua, Álvaro Leiva, sagte, es gebe vermutlich mindestens drei Tote und viele Verletzte. Eine Anhängerin der Monimbó-Widerstandsbewegung sagte, Jugendliche hätten mit selbst gebauten Granatwerfern Straßenblockaden verteidigt, die regierungstreuen Truppen seien schwer bewaffnet gewesen. Sie forderte internationale Organisationen auf, das "Massaker" zu stoppen. "Wir kämpfen für Demokratie, für Freiheit", sagte sie.

Das Viertel Monimbó hat historische Bedeutung im Kampf gegen Unterdrückung. Ende der Siebzigerjahre waren dessen Bewohner Teil der Nicaraguanischen Revolution gegen die Diktatur des Somoza-Clans.

Seit Beginn der Unruhen im Frühjahr sind laut Regierung mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Unabhängige Aktivisten gehen von einer weit höheren Zahl aus. Am vergangenen Wochenende hatten regierungstreue Kräfte bereits die Autonome Universität von Nicaragua in der Hauptstadt Managua wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Studentinnen und Studenten hatten von dort aus wochenlang gegen die Regierung demonstriert.

Gruppen bewaffneter und als Zivilisten gekleideter Männer schienen am Dienstag an der Seite der Polizei Straßenblockaden in Monimbó abzubauen. Schweres Gerät wurde in der Gegend aufgefahren, um auf den Straßen aufzuräumen.

Oppositionelle zu Putschisten, Satanisten und Terroristen erklärt

Nicaraguas Vizepräsidentin, Ortegas Frau Rosario Murillo, hatte am Vortag erklärt, es sei notwendig, Monimbó und Masaya zu "säubern". Oppositionelle beschrieb sie unter anderem als Putschisten, Satanisten und Terroristen. Der Polizeichef von Masaya äußerte sich ähnlich: Die Bewohner der Stadt und in dem Viertel hätten die Behörden gebeten, sie von Kriminellen und Terroristen zu befreien. Diese hätten sie mit ihren "tödlichen Barrikaden" eingesperrt.

Der Weihbischof von Managua, Silvio José Báez twitterte, in Monimbó sei ein katholisches Gemeindehaus getroffen worden, wo sich ein Priester versteckt gehalten habe. Der Vatikan-Vertreter in Nicaragua, der Apostolische Nuntius Waldemar Stanisław Sommertag, teilte mit, das Land erlebe einen "tragischen Moment". Er rief alle Seiten auf, zum Dialog zurückzukehren und eine friedliche Lösung zu finden. Anlass für die Proteste waren geplante Sozialkürzungen gewesen, die sich zu Protesten gegen Präsident Ortega und seine Führung entwickelten.