Estlands Außenminister Sven Mikser hat einen Stopp der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 gefordert. Die Pipeline sei kein wirtschaftliches, sondern ein geopolitisches Projekt. "Es ist ein Hebel für Russland, um in die europäische Politik einzugreifen", sagte Mikser der Zeitung Die Welt. "Es ist schlicht und einfach im Interesse der EU, das Projekt zu stoppen." Auch die USA drängen darauf, das Projekt zu beenden, und haben mit Sanktionen gedroht. Die EU-Kommission befürchtet, dass die neue Pipeline die Abhängigkeit von russischem Gas erhöht.

Die Pipeline, die parallel zur bestehenden ersten Nord-Stream-Röhre durch die Ostsee verlaufen soll, wird Russland und Deutschland unter Umgehung osteuropäischer Staaten verbinden. In deutschen Gewässern wird die Pipeline bereits gebaut. Am 15. Mai begann Nord Stream 2 mit Baggerarbeiten im Greifswalder Bodden.

Gegnerinnen und Gegner von Nord Stream 2 argumentieren unter anderem, Russland wolle mit der neuen Leitung durch die Ostsee nach Deutschland den bisher genutzten Transit durch ukrainische Leitungen ausbremsen und dem Land wichtige Gebühren vorenthalten. Der russische Präsident Wladimir Putin hat betont, die Lieferungen durch die Ukraine würden auch nach dem Bau von Nord Stream fortgesetzt, "wenn dies wirtschaftlich begründet und sinnvoll ist für alle Beteiligten".