Trotz seiner Bekenntnisses zur Denuklearisierung soll Nordkorea sein Atomprogramm heimlich fortführen. Das berichten die Washington Post und der US-Fernsehsender NBC unter Berufung auf US-Beamte. Laut den Beamten gibt es in Nordkorea Hinweise auf geheime Produktionsstätten und die Entwicklung von Methoden zur Verschleierung der Herstellung von Atomwaffen.

Nordkorea wolle den USA "jede Konzession abknöpfen", die möglich sei, ohne sein Atomwaffenprogramm tatsächlich aufzugeben, berichtete NBC unter Berufung auf Geheimdienstvertreter. Es gebe "keinen Beweis", dass Nordkorea seinen Atomwaffenbestand reduziere oder seine Produktion zurückgefahren habe, sagte laut NBC ein US-Regierungsvertreter. Hingegen gebe es "absolut eindeutige Beweise", dass die Regierung in Pjöngjang versuche, die USA zu täuschen.

Beim historischen Gipfel mit US-Präsident Donald Trump in Singapur hatte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un die komplette atomare Abrüstung seines Landes eingewilligt. Genauere Definitionen, ein Zeitplan oder Kontrollmaßnahmen wurden jedoch nicht vereinbart, weshalb die Vereinbarung von vielen Seiten als zu vage kritisiert wird. Trump erklärte aber, der Prozess der "Denuklearisierung" werde "sehr, sehr schnell" beginnen und twitterte, dass von Nordkorea "keine nukleare Gefahr" mehr ausgehe. US-Außenminister Mike Pompeo teilte kürzlich mit, er werde sich demnächst erneut mit Kim treffen, um die Details zu Nordkoreas atomarer Abrüstung zu besprechen.

China will Nordkorea bei Aufhebung der Sanktionen unterstützen

Machthaber Kim Jong Un sucht unterdessen die Unterstützung von China, um ein Ende der Sanktionen gegen Nordkorea zu erreichen. Diese sollen nach dem Gipfel in Singapur zunächst weiterhin in Kraft bleiben, bis sich das Land von seinem Atomwaffenarsenal getrennt habe. Bei seinem jüngsten Besuch in Peking im vergangenen Monat hatte Kim Präsident Xi Jinping gebeten, sich für ein rasches Ende der wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegen Nordkorea einzusetzen, schrieb die japanische Zeitung Yomiuri am Sonntag unter Berufung auf vertraute Personen. Xi habe Kim dazu "größte Anstrengungen" zugesagt.

Vor dem Gipfel hatte Nordkorea in einem als Zeichen des guten Willens dargestellten Schritt sein Atomtestgelände Punggye Ri unbrauchbar gemacht hatte. Auf dem Gelände waren alle von Nordkorea gemeldeten sechs Atomtests vorgenommen worden. Zudem öffneten Süd- und Nordkorea als Zeichen der Entspannung erstmals seit zehn Jahren wieder einen Kanal, über den die Marine kommuniziert, wie die Regierung in Seoul mitteilte.