Pablo Casado ist zum neuen Vorsitzenden der spanischen Konservativen gewählt worden. Der 37-jährige Ökonom und Anwalt setzte sich am Samstag auf einem außerordentlichen Parteitag der Volkspartei (Partido Popular) in Madrid deutlich gegen die frühere Regierungsvize Soraya Sáenz de Santamaría durch. Für Casado stimmten 1.701 Delegierte, für seine 47-jährige Konkurrentin gab es 1.250 Stimmen.

Casado tritt damit die Nachfolge des langjährigen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy als Parteichef an. Rajoy war Anfang Juni als Regierungschef vom Parlament durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden und hatte anschließend auch sein Parteiamt niedergelegt. Der 63-Jährige war seit Oktober 2004 Vorsitzender der PP und seit 2011 Ministerpräsident.

Die Wahl von Casado markiert einen Generationenwechsel für die größte spanische Oppositionspartei und könnte inhaltlich einen Rechtsschwenk bedeuten. Casado verfolgt im Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Region Katalonien einen harten Kurs. Er will außerdem Unternehmens- und Einkommenssteuern senken.

Saénz de Santamaría galt als Vertraute Rajoys und war die vergangenen Jahre die Nummer zwei hinter dem kürzlich abgewählten Premier.

Casado und Saénz de Santamaría hatten sich Anfang Juni bei einer landesweiten Abstimmung der Parteibasis durchgesetzt. Casado präsentierte sich als "Kandidat der Erneuerung". Er hatte sich vor dem Parteitag aber gegen Medienberichte über Unregelmäßigkeiten beim Erwerb eines Masterabschlusses verteidigen müssen.

"Werte des Lebens und der Familie verteidigen"

Der bisherige PP-Vorsitzende Mariano Rajoy sagte auf dem Parteitag, seine Regierung habe ein besseres Spanien hinterlassen als das Land, das sie vor sieben Jahren geerbt habe.

Der neue Parteichef Casado versprach, "die Werte des Lebens und der Familie" zu verteidigen: "Wir müssen in die Mitte der spanischen Gesellschaft zurückkehren, um sicherzustellen, dass unsere Arbeit nicht rückgängig gemacht wird."

Casado war von 2009 bis 2012 Stabschef des früheren konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar. Aznar hatte seinen Nachfolger Rajoy zuletzt mehrfach für dessen vermeintlich liberale Politik kritisiert. Nun wird Casado Gegenspieler des sozialistischen Regierungschefs Pedro Sánchez in Madrid, der eine Minderheitsregierung führt.