Ein Parteienbündnis in Pakistan hat das Ergebnis der Parlamentswahlen angezweifelt und Neuwahlen gefordert. "Wir werden eine Bewegung für die erneute Abhaltung der Wahlen starten. Es wird Proteste geben", teilte das Bündnis mit.  Die mehr als ein Dutzend Parteien warfen dem Militär vor, die Wahlen am Mittwoch manipuliert zu haben. Auch die Muslimliga PML-N von Ex-Premierminister Nawaz Sharif hat sich dem Bündnis angeschlossen.

Die Wahlkommission hatte wenige Stunden zuvor die Partei des ehemaligen Cricketstars Imran Khan als Gewinner ausgerufen. Die Tehreek-e-Insaf (PTI) erlangte demnach 114 Sitze im Parlament in Islamabad, die bisherige Regierungspartei PML-N lediglich 63. Zur Regierungsbildung sind 137 Sitze nötig.

Die Verzögerungen bei der Stimmenauszählung sowie das überraschend starke Abschneiden der PTI hatten Zweifel an der Legitimität der Wahl geweckt. Die meisten Parteien sprachen von Wahlbetrug. Die seit 2013 regierende PML-N hatte das Militär bereits vor dem Urnengang beschuldigt, die Wahl zugunsten Khans zu manipulieren.

PML-N-Chef Shahbaz Sharif sagte dem protestierenden Parteienbündnis seine Unterstützung zu. Er müsse allerdings noch seine Partei konsultieren, um zu sehen, ob die gewählten Abgeordneten ihre Vereidigung boykottieren würden. Es habe schlimmste und nie da gewesene Unregelmäßigkeiten gegeben, sagte er.

Die Pakistan Peoples Party (PPP) von Bilawal Bhutto Zardari könnte nach Einschätzung von Experten in einer Koalitionsregierung der PTI die notwendige Mehrheit verschaffen. Zardari lehnte das Wahlergebnis ebenfalls ab, schloss sich aber nicht dem Protestbündnis an.

Die Wahlkommission wies Manipulationsvorwürfe zurück. EU-Wahlbeobachter äußerten Besorgnis über "einen deutlichen Mangel an Chancengleichheit" und eine Verschlechterung im Vergleich zu 2013. Eine unabhängige Gruppe von Wahlbeobachtern, das Netzwerk Freier und Fairer Wahlen (FAFEN), erklärte hingegen, das "Ausmaß verfahrenstechnischer Unregelmäßigkeiten während der Wahl" sei "relativ gering" gewesen.

Khan hatte den Wahlsieg bereits am Donnerstag für sich beansprucht. Manipulationsvorwürfe wies der 65-Jährige zurück: Die Wahlen seien die gerechtesten und transparentesten in der Geschichte Pakistans gewesen.