Die Partei des früheren Kricketstars Imran Khan hat die Parlamentswahlen in Pakistan gewonnen. Allerdings wird sie auf einen Koalitionspartner angewiesen sein, um eine Regierung bilden zu können. Nach Angaben der Wahlbehörde kam Khans Partei Tehreek-e-Insaf (Pakistanische Bewegung für Gerechtigkeit) auf 109 der 269 Sitze im Parlament. Die Muslimliga des ehemaligen Ministerpräsidenten Shahbaz Sharif erreichte 63 Sitze. Auf dem dritten Platz liegt die Pakistanische Volkspartei mit 39 Sitzen. Die Ergebnisse von 20 Mandaten mussten noch ausgezählt werden. Insgesamt stehen in Pakistans Parlament 342 Sitze zur Wahl, 72 von ihnen sind Frauen und Minderheiten vorbehalten.

Bereits am Donnerstag hatte sich Khan zum Wahlsieger erklärt. "Dank Gott haben wir gewonnen, und wir waren erfolgreich", sagte er in einer Fernsehansprache. Bereits eine Teilauszählung hatte Khan deutlich vorne gesehen. Allerdings kündigte die unterlegene Muslimliga bereits Widerstand gegen das Ergebnis an. Parteichef Sharif sagte, es sei zu Betrug gekommen und er werde die Ergebnisse nicht akzeptieren.

Khan will außenpolitische Beziehungen verbessern

Khan sagte nach der Wahl, er wolle das Land so regieren, wie es bisher noch nie regiert worden sei. Er will einen muslimischen Sozialstaat aufbauen, der der armen Bevölkerung Bildung und Arbeitsplätze bieten soll. Zudem will er gegen die Korruption ankämpfen. Auch möchte Khan die Beziehungen des Landes mit Afghanistan, Indien und den USA verbessern. Die internationalen Beziehungen wolle er auf die Grundlage von Respekt und Gleichberechtigung aufbauen.

Laut Khan würden die USA das Land wie einen Söldner im Kampf gegen Terrorismus behandeln. "Amerika denkt, dass es Pakistan Geld gibt, um für sie zu kämpfen. Darum hat Pakistan viel gelitten", sagte Khan. Der Wahlsieger möchte auch auf den regionalen Rivalen Indien zugehen, wie er sagte: "Macht einen Schritt in unsere Richtung und wir gehen zwei Schritte auf euch zu." Zudem stellte er auch offene Grenzen zu Afghanistan in Aussicht und schlug vor, die Länder sollten eine der Europäischen Union ähnliche Beziehung eingehen. Dieses Vorhaben scheint allerdings unwahrscheinlich, da Pakistans Militär bereits Hunderte Grenzposten und kilometerlange Zäune an der Grenze gebaut hat.

Wahlkampf war von Gewalt geprägt

Bei der Wahl am Mittwoch waren 106 Millionen Pakistaner aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Zum dritten Mal in Folge wurde in dem südasiatischen Land eine Zivilregierung gewählt. Der Wahlkampf war von Gewalt geprägt. Mehr als 175 Menschen wurden bei mehreren Anschlägen getötet, unter ihnen drei Kandidaten. Am Wahltag kamen dann 31 Menschen bei einem Selbstmordattentat am Eingang eines Wahllokals in der Stadt Quetta in der Provinz Baluchistan ums Leben. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" beanspruchte die Tat für sich. Bei einem weiteren Vorfall in Baluchistan war zuvor ein Polizist getötet worden, als eine Handgranate auf ein Wahllokal geworfen wurde.