Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will seine Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik weiter vorantreiben – und vor allem die Staatsausgaben weiter reduzieren. Die staatlichen Strukturen müssten schlanker werden, dazu werde die Regierung in den kommenden Wochen neue Entscheidungen fällen. Im Schloss von Versailles stellte Macron in einer Rede zur Lage der Nation vor beiden Kammern des Parlaments die Grundzüge geplanter Änderungen dar, etwa im Renten- und Gesundheitssystem. "Wir müssen den Wohlfahrtsstaat des 21. Jahrhunderts bauen", sagte er.

Macron hatte nach seiner Wahl im Mai 2017 ehrgeizige Reformen begonnen, die zunächst vor allem der Wirtschaft und Investoren zugutekamen. Die politische Linke wirft ihm deshalb schon lang vor, ein "Präsident der Reichen" zu sein. Mehr als 70 Prozent der Franzosen halten die Regierungspolitik laut aktuellen Umfragen für ungerecht. Aber auch in seiner eigenen Partei wurde zuletzt eine stärkere Sozialpolitik gefordert.

Macron betonte dagegen: "Eine Politik für die Unternehmen ist keine Politik für die Reichen. Es ist eine Politik für die ganze Nation, eine Politik für die Beschäftigung." Er will in diesem Monat noch Vertreter der 100 größten Unternehmen des Landes empfangen, um von ihnen mehr Engagement für Ausbildung und Beschäftigung in Problemvierteln zu fordern.

Er möge "weder Kasten noch angestammte Vorteile noch Privilegien", sagte Macron weiter. Die soziale Ungleichheit habe in Frankreich in den vergangenen 30 Jahren aber zugenommen. Für den September kündigte er nun einen Plan gegen Armut an, der ursprünglich bereits am Dienstag vorgestellt werden sollte – der Aufschub wurde vielfach kritisiert.

Viele Abgeordnete von Macrons Partei La République en Marche quittierten die rund einstündige Rede mit stehenden Ovationen. Oppositionelle aus dem linken wie konservativen Lager boykottierten die Rede dagegen. Die Kritiker werfen Macron vor, sich seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr wie ein "Monarch" aufzuführen und das Parlament nur als Abstimmungsmaschine für seine Reformen zu nutzen.