Gegen eine mutmaßliche russische Agentin ist den USA Anklage erhoben worden. Wie das US-Justizministerium mitteilte, arbeitete Maria B. für die russische Regierung. Die 29-Jährige war am vergangenen Sonntag in Washington D.C. verhaftet worden – einen Tag vor dem Gipfeltreffen in Helsinki zwischen Wladimir Putin und Donald Trump.

Maria B. wird verdächtigt, auf Anweisung eines hochrangigen russischen Regierungsmitarbeiters geplant zu haben, politische US-Organisationen zu unterwandern.

Laut Angaben des Justizministeriums hatte Maria B. in den USA ein  Studentenvisum. Von 2015 bis mindestens 2017 habe sie versucht, Beziehungen zu amerikanischen Personen aufzubauen und Organisationen zu infiltrieren, die Einfluss in der amerikanischen Politik hätten. Wie aus einem Gerichtsdokument hervorgeht, knüpfte B. unter anderem Kontakte zu der Waffenlobby NRA und nahm an Treffen von Lobbyistenvereinigungen teil.

Fädelte sie geheime Treffen ein?

Die New York Times berichtet, dass Maria B. während des US-Wahlkampfs vor zwei Jahren zweimal versucht habe, geheime Treffen zwischen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu organisieren. In den USA untersucht Sonderermittler Robert Mueller seit Monaten, inwiefern sich die russische Regierung in den amerikanischen Wahlkampf eingemischt hat und ob es dabei illegale Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und russischen Offiziellen gab. Trump hatte die Ermittlungen in der Vergangenheit mehrfach als "Hexenjagd" kritisiert und den Verdacht der Einflussnahme auch bei seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zurückgewiesen.

Zuletzt waren US-Behörden vermehrt gegen russische Offizielle vorgegangen. So stellte die US-Justiz am 13. Juli zwölf Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes GRU unter Anklage. Ihnen wird vorgeworfen, für Hackerangriffe während des Wahlkampfs 2016 verantwortlich zu sein. Die Anklagen wurden von einem Geschworenengremium erhoben und basieren auf den laufenden Untersuchungen von Robert Mueller. Die Anklage gegen Maria B. kam hingegen nicht vom Sonderermittler, sondern von Anwälten des Justizministeriums, die auf die nationale Sicherheit spezialisiert sind.

US-Geheimdienste sehen eine russische Beeinflussung der Wahl seit Langem als erwiesen an. Trotzdem unterließ Trump bei dem Gipfeltreffen mit Putin am Montag, die russischen Aktivitäten zu verurteilen. "Ich habe großes Vertrauen in meine Geheimdienstleute, aber ich sage Ihnen, dass Präsident Putin heute extrem stark und kraftvoll bei seinem Dementi war", sagte Trump. Putin hatte erneut jegliche Einmischung in den US-Wahlkampf bestritten.

Trump wurde für seine Äußerungen von Politikern seiner eigenen Partei kritisiert. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, forderte den Präsidenten auf, er solle einsehen, "dass Russland nicht unser Verbündeter ist". Es gebe keinen Zweifel daran, dass sich Russland in die US-Wahlen eingemischt habe. Der prominente republikanische US-Senator John McCain sprach von einem "Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft". Dies sei einer der beschämendsten Auftritte eines US-Präsidenten gewesen, die in Erinnerung seien, teilte McCain mit. Kein früherer US-Präsident habe sich jemals derart "vor einem Tyrannen selbst erniedrigt".