Italien will künftig auch Schiffen internationaler Missionen im Mittelmeer den Zugang zu seinen Häfen verwehren. Innenminister Matteo Salvini schrieb auf Twitter, er werde einen entsprechenden Vorstoß beim EU-Innenministertreffen am Donnerstag besprechen. Salvini ist stellvertretender Regierungschef und Chef der rechtsextremen Lega.  

Auslöser für Salvinis Tweet ist mutmaßlich das irische Marineschiff Samuel Beckett, das in der Nacht zum Sonntag mit 106 Flüchtlingen an Bord in Sizilien anlegte. Das Schiff war im Rahmen einer EU-Mission auf dem Mittelmeer unterwegs.    

Flüchtlinge im Mittelmeer - Das Sterben geht weiter Im Mittelmeer sind zwei Flüchtlingsboote gesunken. Obwohl weniger Menschen in die EU flüchten, fordern Politiker verschärfte Maßnahmen. Ein Überblick aus dem Videoarchiv. © Foto: Aris Messinis/AFP/Getty

Salvini will Flüchtlingszahlen auf null senken

Die Regierung in Rom hat bereits privaten Seenotrettungshelfern untersagt, italienische Häfen anzusteuern. Das deutsche Rettungsschiff Lifeline der gleichnamigen Hilfsorganisation war Ende Juni tagelang durch das Mittelmeer gefahren, weil kein europäischer Hafen ihm das Anlegen erlaubte. Schließlich erklärte sich Malta bereit, das Schiff aufzunehmen. Der deutsche Kapitän muss sich nun vor Gericht verantworten, weil das Schiff mutmaßlich unter falscher Flagge fuhr. 

Italien liegt vergleichsweise nahe an der nordafrikanischen Küste und ist deshalb eines der Hauptankunftsländer für Flüchtlinge. Nach Angaben der italienischen Regierung trafen seit Jahresbeginn fast 16.700 Migranten an den Küsten des Landes ein, davon 11.000 aus Libyen. Das seien 80 Prozent weniger als im Vorjahr, teilte das Innenministerium mit. Salvini will die Zahl auf null senken. "Wir können keinen einzigen mehr aufnehmen", sagte Salvini Ende Juni dem Spiegel.