Der Direktor der US-Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, gibt sein Amt auf. US-Präsident Donald Trump teilte via Twitter mit, er habe das Rücktrittsgesuch Pruitts akzeptiert. Er ziehe sich aus freien Stücken zurück und sei nicht gedrängt worden, betonte Trump vor Reportern. Schon seit Monaten gab es Rücktrittsforderungen gegen den Behördenchef.

Neuer EPA-Chef soll ab Montag der bisherige Vizeleiter der Umweltbehörde werden, Andrew Wheeler.

Angesichts immer neuer Vorwürfe wegen Steuerverschwendung und anderer zweifelhafter Entscheidungen hatte sich die US-Regierung schon vorher kritisch geäußert. "Wir wissen von den zahlreichen Berichten, und der Präsident geht ihnen nach", sagte ein Sprecher. Die Berichte über Pruitt seien besorgniserregend. Pruitt selbst gab als Grund für seinen Rückzug an, er werde persönlich angegriffen. 

Trump verteidigte Pruitt bis zuletzt

Trump hatte seinen Behördenchef lange Zeit unterstützt. Noch Anfang April verteidigte er den EPA-Chef; Pruitt mache "großartige Arbeit". Die hohen Kosten für Sicherheitsmaßnahmen begründete der US-Präsident mit "Morddrohungen", die der Behördenchef wegen seines "mutigen Handelns" erhalte.

Pruitts Abgang gingen Berichte über einen fragwürdigen Umgang mit Steuergeldern voraus, die mehr als ein Dutzend interne Untersuchungen auf Bundes- und Kongressebene nach sich zogen. Dazu gehören kostspielige Flugreisen in der ersten Klasse sowie ungewöhnlich hohe Sicherheitsausgaben. So soll Pruitt für sich einen 24-Stunden-Wachschutz durch bewaffnete Beamte angefordert haben – dafür wuchs sein Sicherheitsteam auf 20 Mitglieder an und kostete drei Millionen US-Dollar. In seinem Büro ließ er sich auch eine schalldichte Telefonkabine für Privatgespräche für 43.000 Dollar installieren.

Ernsthaft in Gefahr

Kritisiert wurde auch, wie Pruitt mit seinen Mitarbeitern umging: Oft soll er sie zu Botengängen losgeschickt haben – etwa um Kleidung von der Reinigung abzuholen oder ihm eine gebrauchte Matratze aus einem Trump-Hotel in sein Apartment zu bringen. Aus Emails ging zudem hervor, dass Pruitt sein Personal anhielt, mit konservativen Gruppen und Unternehmen Kontakt aufzunehmen, um seiner arbeitslosen Frau einen Job zu verschaffen.

Ernsthaft in Gefahr war Pruitts Job bereits seit Ende März, als der Sender ABC News zunächst berichtete, dass der Behördenchef eine Wohnung im Regierungsviertel für nur 50 US-Dollar pro Nacht vermietet habe. Miteigentümerin war die Ehefrau eines langjährigen Lobbyisten für fossile Brennstoffe, dessen Firma bei der EPA auf eine Rücknahme von Umweltschutzregeln gedrungen hatte. Der betroffene Lobbyist Steven Hart wies den Vorwurf zurück, mit der Umweltbehörde Geschäfte gemacht zu haben. Ähnlich äußerte sich auch Pruitt. Doch musste Hart später einräumen, sich im Sommer 2017 mit dem Behördenleiter im EPA-Hauptquartier getroffen zu haben.

Pruitt war früher Generalstaatsanwalt in Oklahoma und steht der Öl- und Gasindustrie nahe. In der Vergangenheit strengte er mehr als ein Dutzend Verfahren gegen jene Umweltbehörde an, die er später leiten sollte. Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr arbeitete Pruitt darauf hin, von Ex-Präsident Barack Obama eingeführte Regulierungen zur Reduzierung von Schad- und Kohlenstoffemissionen zurückzufahren. Wie sein Chef Trump stellte Pruitt zudem den Klimawandel infrage und äußerte scharfe Kritik am Klimaabkommen von Paris. Pruitt suchte das Gespräch mit Industriegruppen, zeigte Kritikern zufolge aber kaum Interesse an Bedenken von Naturschützern.

Begeisterte Umweltschützer

Im April hatten mehr als 170 Kongressmitglieder der oppositionellen Demokraten einen Brief unterschrieben, in dem sie Pruitt zum Rücktritt aufriefen. Mindestens drei republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus verlangten ebenfalls seinen Rücktritt oder seine Entlassung. Am Montag hatte ein auf Facebook veröffentlichtes Video Aufsehen erregt, in dem eine Frau Pruitt in einem Restaurant zum Rücktritt auffordert

Die Umweltschützer nahmen seinen Abgang mit Begeisterung auf. "Trotz seiner kurzen Amtszeit war Pruitt der schlechteste EPA-Chef in der Geschichte", sagte Kieran Suckling, Direktor des Zentrums für Biodiversität. "Seine Korruption wurde ihm zum Verhängnis, doch seine Politik zugunsten von Verschmutzern wird dafür sorgen, dass unsere Kinder auch dann noch lange dreckigere Luft einatmen werden, wenn seine vielen Skandale vergessen sind."