Der EU-Mittelmeereinsatz Sophia wird bis Ende August fortgesetzt. Trotz der Ankündigung Italiens, keine im Rahmen der Mission aus Seenot geretteten Flüchtlinge mehr aufzunehmen, werde der Einsatz beibehalten, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte der Spiegel berichtet, der Kommandeur der Mission, der italienische Admiral Enrico Credendino, habe alle beteiligten Schiffe in die Häfen beordert. Diplomaten bestätigten das zwar, wiesen aber zurück, dass die Mission gestoppt worden sei. In den nächsten fünf Wochen soll nun eine gemeinsame Lösung mit Italien für die Fortführung der Mission gefunden werden.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte zuvor mitgeteilt, auch keine von internationalen Grenzschutz- und Rettungseinsätzen geretteten Flüchtlinge mehr aufzunehmen.

Im Rahmen der Mission Sophia sind seit 2015 sechs Militärschiffe in internationalen Gewässern vor Libyen aktiv. 26 EU-Staaten beteiligen sich, das aktuelle Mandat läuft noch bis Dezember. Hauptaufgabe ist die Schlepperbekämpfung, daneben sollen die Soldaten gegen Waffenschmuggel und illegale Ölexporte aus Libyen vorgehen. Bei ihren Einsätzen wurden auch zahlreiche Menschen aus Seenot gerettet. An der Mission nimmt unter anderem das deutsche Versorgungsschiff Mosel teil.

Angela Merkel schätzt Seenotretter

Der Einsatz war nach einem Schiffbruch mit 700 verunglückten Flüchtlingen vor der libyschen Küste ins Leben gerufen worden. In den vergangenen drei Jahren wurden 49.000 Menschen gerettet. Sie wurden bisher in Italien an Land gebracht. Dazu wurden 140 mutmaßliche Schleuser festgenommen. 200 von Schleusern benutzte Boote wurden zerstört.

Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte mit, sie schätze die Arbeit der Seenotretter, vorausgesetzt sie hielten sich an die Rechtsordnung. So müssten die territorialen Gewässer Libyens respektiert werden. Die Seenotrettung sei eine internationale Aufgabe, "aus der man sich sowieso nicht herausziehen kann". Man könne aber versuchen, Menschen davon abzuhalten, ihr Leben in Gefahr zu bringen. Italien mahne, dass es nicht als einziges Land für die Geretteten verantwortlich sei. "Damit müssen wir uns jetzt politisch auseinandersetzen", sagte Merkel in Berlin. Beim Außengrenzschutz werde die Solidarität der EU-Mitgliedstaaten immer wieder ein Thema sein.