Es muss mehr Ordnung in alle Arten der Migration kommen, damit Menschen den Eindruck haben, Recht und Ordnung werden durchgesetzt. So hat es Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch im Bundestag gefordert.

Wer wissen will, was Europa gegenwärtig in der Flüchtlingspolitik unter Recht und Ordnung versteht, sollte nach Malta blicken. Im Seegebiet südlich der Mittelmeerinsel ertranken im Juni so viele Menschen wie in keinem Juni der vergangenen fünf Jahre. Trotzdem verweigern die Behörden dort seit Tagen den privaten Rettungsschiffen Lifeline und Sea-Watch 3 die Ausfahrt aus dem Hafen.

Das Auklärungsflugzeug "Moonbird" © Friedhold Ulonska/sea-watch.org

An diesem Mittwoch wurde nun bekannt, dass die maltesischen Behörden auch alle Flüge eines Aufklärungsflugzeugs in das Rettungsgebiet vor Libyen untersagt haben. In einer E-Mail der maltesischen Flugabfertigung, die ZEIT ONLINE vorliegt, heißt es zur Begründung: "Es wird keine Genehmigung für eine Seenotrettungsoperation erteilt, es sei denn, dies geschieht auf Anforderung Maltas hin oder auf Antrag eines Nachbarlandes."

Kein Flug über das zentrale Mittelmeer

Das Flugzeug namens Moonbird wird von der privaten Hilfsorganisation Sea-Watch gemeinsam mit der Schweizer Humanitären Piloteninitiative betrieben und von der Evangelischen Kirche in Deutschland unterstützt. Seit einem Jahr sucht es im Seegebiet zwischen Libyen und Malta nach Menschen, die in Seenot geraten sind. Das Flugzeug sei an der Rettung von 20.000 Menschen beteiligt gewesen, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer ZEIT ONLINE. Doch in den vergangenen Wochen sei der Flugplan der Moonbird mehrfach von den Behörden abgelehnt worden. "Nach Rom oder Sardinien dürften wir fliegen. Aber nicht über das zentrale Mittelmeer." Dabei operiere die Moonbird stets in bester Zusammenarbeit mit den maltesischen Behörden und der italienischen Küstenwache, teils sogar unter deren direktem Kommando.

Ein Boot der libyschen Küstenwache fährt in internationalen Gewässern auf ein Flüchtlingsboot zu. Aufgenommen aus dem privaten Aufklärungsflugzeug "Moonbird". © Chris Grodotzki/jib collective/sea-watch.org

Auch ein zweites privates Aufklärungsflugzeug kann gegenwärtig offenbar keine Einsätze fliegen. Es wird von zwei französischen Piloten betrieben, die mit Sea-Watch zusammenarbeiten. Das Flugzeug stehe auf der italienischen Insel Lampedusa, sagte Neugebauer. Seit Mai sei es über dem zentralen Mittelmeer geflogen. "Nun sagt man den Piloten, dass es zu gefährlich sei, wenn sie ihr Benzin in Kanistern über das Flugfeld tragen", sagte Neugebauer. Anders sei der Flieger jedoch nicht zu betanken.