Steve Bannon, der frühere Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, will eine Stiftung gründen, die rechtspopulistische Bewegungen in Europa stärkt. Die Organisation mit dem Namen The Movement werde ihren Hauptsitz in Brüssel haben, berichtete das US-Nachrichtenportal The Daily Beast unter Berufung auf Bannon. Vor der Europawahl im Mai 2019 werde sie zehn Mitarbeiter einstellen.

Die Organisation soll Rechtspopulisten in der EU, die nicht über einen großen Organisationsapparat verfügen, in Form von Umfragen, Analysen und Beratung unterstützen, heißt es in dem Bericht. Dabei orientiert sich Bannon nach eigenen Angaben an dem ungarischstämmigen US-Milliardär George Soros, dessen eher linksgerichtete Stiftung Open Society schon länger in Europa aktiv ist. "Soros ist brillant", sagte Bannon The Daily Beast. "Er ist der Teufel, aber er ist brillant."

Medienberichten zufolge hatte sich Bannon vor einer Woche, während des Großbritannien-Besuchs von Trump, in London aufgehalten. Dort habe er in einem Fünfsternehotel Vertreter rechtsgerichteter Bewegungen in Europa empfangen. "Es war ein solcher Erfolg, dass wir anfangen werden, Personal zu rekrutieren", sagte Bannon.

Eine Supergruppe der Rechten

Bannon fasst demzufolge eine "rechtspopulistische Supergruppe" im Europäischen Parlament ins Auge, der nach der Wahl 2019 bis zu ein Drittel der Abgeordneten angehören könnte. Ein vereinter Block solcher Größe könne den parlamentarischen Prozess ernsthaft stören und Bannon riesigen Einfluss innerhalb der populistischen Bewegung geben, hieß es weiter.

Erwartet wird, dass Bannon sein Hauptquartier in Brüssel aufschlägt. Der 64-Jährige plane, nach den Zwischenwahlen in den USA Anfang November die Hälfte seiner Zeit in Europa zu verbringen. Ziel sei es, "zwielichtigen Gruppen" von Rechtspopulisten zu helfen, die vielfach ohne professionelle politische Strukturen oder bedeutsame Budgets operierten, schreibt das Nachrichtenportal.

Italien als Vorbild

Insbesondere das Regierungsbündnis in Italien aus der fremdenfeindlichen Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung ermutigt Bannon nach eigenen Angaben. "Italien ist das schlagende Herz der modernen Politik", sagte er dem US-Nachrichtenportal. "Wenn das dort funktioniert, kann es überall Erfolg haben." Dank der rechtspopulistischen Bewegungen werde es in Europa "individuelle Nationalstaaten mit ihren eigenen Identitäten, ihren eigenen Grenzen" geben.

Der ultranationalistische Publizist Bannon war drei Monate vor der US-Präsidentschaftswahl 2016 von Trump zu seinem Wahlkampfleiter ernannt worden. Nach Trumps Amtsantritt im Januar 2017 wurde Bannon Chefstratege im Weißen Haus, blieb aber nicht lange auf diesem Posten. Im August wurde er entlassen.

Bannon kehrte daraufhin auf seine Chefposition bei dem rechtsgerichteten Internetportal Breitbart News zurück. Auch diesen Job verlor er zu Jahresbeginn – als Folge des Wirbels um ihm zugeschriebene Äußerungen in dem Enthüllungsbuch Feuer und Zorn des Journalisten Michael Wolff.