Mehr als sieben Jahre nach Beginn des syrischen Krieges kann die Armee von Baschar al-Assad einen symbolischen Sieg verkünden: Die Rebellen haben nach eigenen Angaben eingewilligt, die Stadt Daraa aufzugeben. Wie staatliche Medien meldeten, hissten Soldaten die syrische Fahne über dem Hauptplatz der Stadt.

Wie der Medienaktivist Ahmed Masalmeh mitteilte, hätten die Rebellen zugestimmt, die Stadt Daraa an Regierungstruppen zu übergeben. Die Kämpfer könnten von einer Amnestie der Regierung Gebrauch machen oder mit ihren Familien in die Rebellengebiete im Norden Syriens abziehen, sagte Masalmeh. Sie hatten zuletzt noch einen Teil der Stadt kontrolliert, wurden dort aber von den Regierungstruppen eingeschlossen. Der Gouverneur von Daraa, Mohammed al-Hanus, sagte den regierungsnahen zentralen Militärmedien zufolge, die Stadt sei zu 80 Prozent in der Hand von Regierungstruppen.

Rebellensprecher Ibrahim Dschabawi bestätigte, die Rebellen würden ihre schweren Waffen abgeben. Weiter teilte er mit, das ausgehandelte Abkommen sehe nicht vor, dass Regierungstruppen in die Stadt einrückten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, die Soldaten der syrischen Armee hätten in Daraa Bilder gemacht und seien danach wieder abgezogen. Auch teilten Aktivisten mit, es hielten sich immer noch Aufständische in der Stadt auf.

Die Rückeroberung der Stadt und der Provinz Daraa wäre für die syrische Regierung ein symbolisch bedeutsamer Sieg. Denn genau dort hatten im März 2011 die Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad begonnen. Der Geheimdienst hatte eine Gruppe von Schülern in Daraa festgenommen und gefoltert, die regierungsfeindliche Graffiti an Wände gesprüht hatten. Nach den Festnahmen kam es in der Stadt zu Protesten, gegen die die Regierung mit Gewalt vorging. Sie weiteten sich zu einem landesweiten Krieg aus, in dessen Verlauf bereits mehr als 400.000 Menschen getötet wurden. Millionen Menschen ergriffen vor den Kämpfen die Flucht.

Regierung und Rebellen hatten vergangenen Freitag nach Verhandlungen unter russischer Vermittlung für die Provinz Daraa eine Waffenruhe mit sofortiger Wirkung vereinbart. Die Aufständischen müssen demnach ihre Waffen abgeben, ihre Kämpfer abziehen und die Kontrolle der Grenze zu Jordanien der Regierung überlassen. Ausgeschlossen von der Vereinbarung sind die Kämpfer der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS), die einen schmalen Gebietsstreifen an der Grenze zu Jordanien und den von Israel annektierten Golanhöhen kontrollieren. Die Vereinbarung erfolgte nach dreiwöchigen Luftangriffen der syrischen Armee, die vom russischen Militär unterstützt wird. Die verheerende Bombardierung zwang die Rebellen zu Verhandlungen.

Die syrische Armee hat bereits den gesamten Osten der Provinz Daraa zurückerobert. Im Westen kontrolliert sie mittlerweile ebenfalls große Gebiete. Russland hatte im September 2015 an der Seite Assads in den bewaffneten Konflikt eingegriffen. Mit russischer Unterstützung drängten die syrischen Regierungstruppen seitdem die Rebellen an allen Fronten zurück. Heute kontrolliert die Regierung wieder mehr als drei Fünftel des syrischen Staatsterritoriums.