Im Süden Syriens soll die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) mindestens 36 Frauen und Kinder entführt haben, die der Religionsgruppe der Drusen angehören. Das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch die örtliche Nachrichtenseite Soueida24 berichtete von der Entführung von 36 Zivilisten.

Laut der Beobachtungsstelle sind die Zivilisten bei dem schweren Angriff des IS auf die Stadt Al-Suweida am vergangenen Mittwoch verschleppt worden. Bei einer Anschlagsserie in der Provinzhauptstadt und ihren umliegenden Dörfern hatte der IS mehr als 250 Menschen getötet. Die Angriffe der sunnitischen Extremistengruppe richteten sich gegen die Regierungstruppen, doch wurden auch Dutzende Zivilisten getötet.

Ein Großteil der Opfer waren Drusen, die in Al-Suweida die Mehrheit der Bevölkerung stellen und von den Dschihadisten als sogenannte Ungläubige betrachtet werden. Die Drusen haben im syrischen Bürgerkrieg eine überwiegend neutrale Haltung eingenommen, sodass ihre Siedlungsgebiete bislang weitgehend von Gewalt verschont blieben. Die jetzigen Angriffe auf die Provinz waren dementsprechend auch die heftigsten seit Beginn des Bürgerkriegs 2011.

Vier der Entführten gelang die Flucht, während eine erschossen und eine weitere vermutlich auf dem Marsch an Erschöpfung gestorben ist. Laut Soueida24 stammen alle Entführten aus dem Dorf Schabke. Ihren Angehörigen soll ein Video zugeschickt worden sein, in dem eine Frau die Regierung zu Zugeständnissen aufruft, sonst würden die Geiseln getötet. Der IS veröffentlichte zunächst nichts zu den Entführungen.