Die israelische Luftwaffe hat syrischen Angaben zufolge im Norden des Landes eine Stellung der Armee angegriffen. Die Flugzeuge hätten sie am späten Sonntagabend nördlich des Militärflughafens Neirab in Aleppo ins Visier genommen, teilten syrische Militärkreise der Deutschen Presse-Agentur mit und bestätigten Berichte der Staatsmedien sowie der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Bei den Luftangriffen sollen neun Menschen getötet worden sein. Sechs der Getöteten waren syrische Staatsangehörige, wie der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte. Die israelische Armee äußerte sich wie meist üblich nicht zu den Berichten. Der Stützpunkt, der in der Nähe des Al-Nairab-Militärflughafens in Aleppo getroffen wurde, sei vor allem ein "Büro, das logistische Informationen" an die iranischen Revolutionsgarden liefere.

Israel greift nach eigenen Angaben nur in den syrischen Bürgerkrieg ein, wenn es seine eigene Sicherheit bedroht sieht. Die syrische Armee und ihre Verbündeten hatten zuvor nahe der israelischen Grenze im Süden des Landes eine Offensive auf von Rebellen gehaltene Gebiete in der Provinz Kunaitra gestartet. Mehr als 800 Granaten seien in verschiedenen Orten der Provinz heruntergekommen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Gefechte fanden demnach rund vier Kilometer von der dortigen Pufferzone zwischen Syrien und den von Israel besetzten Golanhöhen statt.

Israel betont "Politik der Nichteinmischung"

Seit dem 19. Juni gehen Russland und die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad gegen Rebellen in der südsyrischen Provinz Daraa vor. Da sie in Grenznähe liegt, ist die israelische Armee besonders wachsam. Anfang Juli verstärkte sie die Truppenpräsenz im israelisch besetzten Teil des Golan. Am Mittwoch teilte die israelische Armee mit, sie habe eine aus Syrien abgeschossene Drohne abgefangen. Die "Politik der Nichteinmischung in den Syrienkonflikt" bleibe jedoch unverändert – solange Israels "Souveränität nicht infrage gestellt" und seine Bürger "nicht bedroht" seien.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad wird in dem Bürgerkrieg vom Iran und von der schiitischen Hisbollah-Miliz unterstützt – zwei erklärten Feinden Israels. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat wiederholt deutlich gemacht, dass er keine iranischen Kämpfer in Syrien an der Grenze zu Israel dulden werde. In der Vergangenheit hatte es wiederholt israelische Angriffe nahe Damaskus und in den zentralen syrischen Provinzen Homs und Hama gegeben.

Darüber hinaus hatte die israelische Luftwaffe am Wochenende Einsätze im von der radikalislamischen Hamas beherrschten Gazastreifen geflogen. Nach israelischen Angaben war es die größte Offensive im Palästinensergebiet seit dem Gaza-Krieg vor vier Jahren.