In Syrien haben Rebellenkämpfer eines der letzten von ihnen gehaltenen Gebiete aufgegeben. Oppositionelle Milizen stimmten einem von Russland vermittelten Abkommen für die Provinz Kunaitra im Süden des Landes zu, wie Staatsmedien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldeten. Syriens Diktator Baschar al-Assad kann so seine Macht weiter festigen.

Das Abkommen sieht nach den Berichten unter anderem vor, dass die Rebellen in Kuneitra ihre schweren Waffen aushändigen. Zehntausende Flüchtlinge sollen demnach in ihre Heimatorte zurückkehren. Oppositionelle Kämpfer und Zivilisten können in die noch von Rebellen kontrollierte Provinz Idlib im Nordwesten Syriens übersiedeln. Regierungstruppen hatten im Juni im Gebiet um Kunaitra eine Offensive begonnen und in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Orte übernommen.

Mit dem Abkommen verlieren die Regimegegner im Süden Syriens fast ihr vollständiges Gebiet. Dort kontrolliert jetzt ein Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) noch eine kleine Region, die an die von Israel besetzten und annektierten Golanhöhen grenzt.

Die israelische Regierung beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Sie will verhindern, dass iranische Kräfte bis an die Grenze vorrücken. Der Iran ist wie Russland ein wichtiger Verbündeter der syrischen Regierung. Er finanziert unter anderem die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah, die mit Israel verfeindet ist und in Syrien an der Seite der Regierungstruppen kämpft. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte erst vor einer Woche bei einem Besuch in Moskau vor der Präsenz des Irans in Syrien.

Offensive auf Idlib erwartet

In einer Pufferzone zwischen Israel und Syrien wurden 1974 UN-Soldaten stationiert, die den Waffenstillstand zwischen beiden Ländern überwachen sollen. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete am Donnerstag, die Armee solle nun an die Waffenstillstandslinie zurückkehren. Aktivisten erklärten zugleich, auch russische Militärpolizei solle entsandt werden.

Oppositionelle Milizen sind außer in der Provinz Idlib noch in einem Gebiet im Norden präsent, das sie zusammen mit der türkischen Armee beherrschen. Beobachter rechnen damit, dass sich die Truppen des syrischen Regimes im nächsten Schritt Idlib zuwenden werden.

Dort wurde am Donnerstag die Evakuierung zweier Orte abgeschlossen, die noch in der Hand regierungstreuer Truppen waren. Busse brachten fast 7.000 Menschen aus Fua und Kafraja in andere Regimegebiete, wie Sana meldete. In beiden Orten lebten vor allem Schiiten. Sie wurden seit 2015 von Rebellen belagert. Im Gegenzug für die Evakuierung kommen 1.500 Häftlinge aus Regimegefängnissen frei.

Der Krieg war im Frühjahr 2011 ausgebrochen, als syrische Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Demonstrationen vorgingen. Seitdem wurden mehr als 400.000 Menschen getötet, Millionen sind auf der Flucht. Zeitweilig sah es so aus, als könnten die Rebellen Assad stürzen. Mit russischer und iranischer Hilfe gelang es den Regimekräften jedoch, große Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter alle wichtigen Städte.