Die israelische Polizei hat am Freitag die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem geräumt. Die Polizei teilte mit, nach den muslimischen Freitagsgebeten auf dem Tempelberg hätten Palästinenser Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Mehrere Palästinenser hätten sich in der Moschee verschanzt, bis die Polizei diese geräumt habe. Palästinensische Medien berichteten, die Polizei habe Muslime gezwungen, den Tempelberg zu verlassen, und die Zugangstore für mehrere Stunden geschlossen.

Der Polizei zufolge gab es 24 Festnahmen. Vier Polizisten seien verletzt worden, außerdem rund 40 Palästinenser. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, die Gewalt initiiert zu haben. Die Al-Aksa-Moschee ist das drittwichtigste Heiligtum für Muslime. Rund um den Tempelberg, der auch für die Juden heilig ist, kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Aktuell dürfen nur Muslime dort beten; Juden dürfen den Tempelberg zwar besuchen, gehen zum Gebet allerdings an die Klagemauer.

Im vergangenen Sommer war es zu gewalttätigen Zusammenstößen gekommen, nachdem Israel nach einem blutigen Anschlag am Tempelberg die Zugänge zum Tempelberg mit Metalldetektoren und neuen Überwachungskameras versehen hatte. Nach heftigen Protesten, bei denen vier Palästinenser getötet und mehrere hundert verletzt wurden, ließ Israel die Anlagen wieder abbauen. Auch Besuche von israelischen Politikern auf dem Tempelberg hatten in der Vergangenheit wiederholt gewalttätige Proteste ausgelöst.

Neue Gewalt an der Grenze zum Gazastreifen

Auch im Gazastreifen kam es erneut zu schwerer Gewalt: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden bei neuen Protesten an der Grenze zu Israel ein 14-Jähriger und ein 43-Jähriger durch Schüsse tödlich am Kopf verletzt. Mehr als 200 weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten. Die israelische Armee teilte mit, sie prüfe die Berichte. Rund 7.000 Palästinenser hätten an Ausschreitungen entlang der Grenze teilgenommen. Sie hätten Steine auf Soldaten geworfen und Reifen in Brand gesetzt. Einige hätten den Grenzzaun beschädigt. Außerdem verursachten Branddrachen und -ballons erneut mehrere Brände im israelischen Grenzgebiet.

In der vergangenen Woche war die Lage mehrfach eskaliert, die die Sorge vor einem neuen Gazakrieg nährten. Militante Palästinenser feuerten Granaten in das israelische Grenzgebiet und schossen auf Soldaten. Dabei wurde vor einer Woche ein israelischer Soldat getötet. Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen wurden seitdem sieben Palästinenser getötet, die meisten davon Mitglieder der im Gazastreifen herrschenden Hamas.

Seit Ende März wurden bei Protesten und Konfrontationen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 150 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet. Israel hat erklärt, es verteidige lediglich seine Grenzen. Die Hamas nutze die Proteste als Deckmantel für Angriffe. Die Palästinenser fordern seit Langem ein Ende der seit 2007 laufenden Gazablockade durch Israel und Ägypten. Menschenrechtsorganisationen weisen auf unerträgliche Zustände in dem Küstengebiet hin, in dem rund zwei Millionen Menschen leben.

In der Nacht zum Freitag erlag zudem ein 31-jähriger Israeli nach einer Messerattacke in der Siedlung Adam im Westjordanland seinen Verletzungen. Ein 17-jähriger Palästinenser war am Donnerstagabend in die Siedlung eingedrungen und hatte mit einem Messer auf drei Israelis eingestochen. Einer von ihnen habe ihn erschossen, teilte die Armee mit. Nach dem Anschlag blockierte die Armee die Einfahrt zu dem Dorf Kubar, aus dem der Täter stammte. Bei Razzien kam es nach Medienberichten zu Konfrontationen mit palästinensischen Einwohnern.

Die israelische Armee verlegt angesichts der Sicherheitslage zwei weitere Bataillone ins Westjordanland. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman kündigte nach dem Anschlag außerdem den Bau von 400 weiteren Wohneinheiten in der Siedlung Adam an. "Die beste Antwort auf den Terror ist eine beschleunigte Besiedlung von Judäa und Samaria (Westjordanland)", schrieb er bei Twitter.