Die Schaulustigen klatschen, als der weiße Hubschrauber in die Dunkelheit abhebt. Im Innern des Helikopters soll sich einer der vier jungen Fußballspieler befinden, die am Sonntag aus dem Höhlenlabyrinth in der Provinz Chiang Rai geholt wurden. Nun feiern die Anwohnerinnen und Anwohner seine Rettung.   

"Es ist lange her, dass jemand aus der Gegend so in Probleme geraten ist", sagt der 28-jährige Landwirt Tu aus dem Dorf Baan Jong. Der Ort liegt nur zwei Kilometer vom Eingang der Höhle entfernt. 

Normalerweise wird Tus Nachtruhe höchstens von kläffenden Hunden gestört. Doch seit Ende Juni zwölf Kinder und ihr Fußballtrainer in der Höhle Tham Luang eingeschlossen wurden, ist der Ort zu einer Katastrophenzentrale geworden. Rund 1.000 Helfer kamen seitdem an die Unglücksstelle. Rettungsteams aus aller Welt beteiligen sich an dem Einsatz.    

Tagelang hatten die Einsatzkräfte Risiken und Chancen abgewogen. Die Kinder waren in einer Grotte eingeschlossen, die Zugänge überflutet. Das Höhlenlabyrinth steht bis auf wenige Stellen unter Wasser.

Unter Wasser kaum Sichtweite

Am Sonntag schließlich schien der Zeitpunkt günstig – die Rettung begann. Je zwei Taucher nahmen sich eines Jungen an: Der eine trug das Kind festgebunden unter seinem Bauch, der zweite Taucher suchte den Ausgang durch die Höhle. Dort ist das Wasser schlammig und dunkel, die Sichtweite nahezu null. "Es gab keine Panik", sagte der Gouverneur Narongsak Osottanakorn später vor Journalisten über die komplizierte Operation. "Die Kinder hatten Sauerstoffmasken vor dem Gesicht und konnten nicht verloren gehen."

50 ausländische Taucher und 40 thailändische Navy Seals beteiligten sich am ersten Rettungsversuch. Er glückte: Vier Jungen konnten gerettet werden. Es waren laut Gouverneur Narongsak die Gesündesten. Acht weitere junge Fußballspieler und ihr 25-jähriger Trainer müssen jetzt noch mindestens eine weitere Nacht in der Grotte, rund 800 bis 1.000 Meter unter der Kuppe des Bergs Nang Non, ausharren. Die Taucher hatten so viel Sauerstoff verbraucht, dass die Operation erst nach einer mehrstündigen Pause fortgesetzt werden kann.   

Die vier geretteten Jungen wurden unterdessen auf Tragen zu den Krankenwagen gebracht, ein Hubschrauber flog die Kinder anschließend ins Krankenhaus. Über den Gesundheitszustand der Kinder ist wenig bekannt: Die Behörden äußern sich bislang nicht dazu. Medienberichten zufolge musste mindestens ein Junge längere Zeit stabilisiert werden, bevor er weiter transportiert werden konnte. "Die Operation verlief ohne Probleme", behauptete der Gouverneur dennoch. 

Die Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren und ihr Trainer waren am 23. Juni bei gutem Wetter in die Höhe gestiegen. Sie hatten dort den Geburtstag eines Teammitglieds feiern wollen. Dann setzte plötzlich starker Regen ein und schnitt ihnen den Rückweg ab. Sie waren in der Höhle gefangen. 

Seit zwei Wochen verfolgen die Menschen in Thailand und weltweit das Drama der Jungen. In sozialen Medien gibt es zahlreiche Grußworte und Nachrichten der Hoffnung. Sogar Dipangkorn Rasmijoti, der junge Sohn von Thailands König Vajiralongkorn, meldete sich aus seiner Schule in Bayern mit einer handgeschriebenen persönlichen Botschaft zu Wort: "Ihr hattet sicher große Angst", schrieb er, nachdem die Jungen von Helfern in ihrer kleinen unterirdischen Zuflucht entdeckt worden waren. "Ich bin überglücklich, dass ihr sicher und gesund seid."

Auch Hunderte Journalistinnen und Journalisten verfolgen jede Entwicklung in der Höhle. Die Anwohner dagegen lassen sich vom Presserummel kaum stören. Es gibt nur wenige Schaulustige vor dem Medienzentrum. Die Autos auf der Straße nach Chiang Rai passieren das Geschehen meist ohne anzuhalten. 

Der Regen kommt zurück

Für die Rettungskräfte wird die Zeit jetzt knapp: Am Sonntag setzte wieder der tropische Regen ein, der den Kindern bereits einmal fast zum Verhängnis geworden wäre.  

Auch die Dorfbewohner von Baan Jong sind von den Wassermassen betroffen: Weil eine Pumpe das Wasser aus den Höhlen saugt, ist der Kanal im Dorf zu einem reißenden Bach angeschwollen. Landwirt Tu rechnet dennoch damit, dass es "gute Aussichten" gibt, die Gruppe zu retten. Dann richtet er seinen Blick auf die grauen, bleiernen Wolken, die seit Sonntag wieder auf halber Höhe des Bergs hängen, und sagt: "Aber sie müssen sich beeilen. Sonst läuft Tham Luang wieder voll Wasser."