David Davis mag es, wenn er Schlagzeilen macht. So wie jetzt, bei seinem Abgang als Brexit-Minister. Kaum anders verhält sich mit Boris Johnson, dem ebenfalls zurückgetretenen Außenminister Großbritanniens. Als erbarmungsloser Populist liebt Johnson die spektakulären Auftritte. Beide sehen für sich keine Zukunft mehr im Kabinett von Premierministerin Theresa May.

In den Verhandlungen mit der EU war Davis der wichtigste Gegenspieler von Michel Barnier, dem Beauftragten der Kommission. Davis hatte seine Rolle als Minister für den Brexit – Chef des "Department for Exiting the European Union – genossen. So lange, bis die britische Premierministerin ihm hinter den Kulissen das Vertrauen entzog und ihr eigenes Team, angeführt vom Topministerialbeamten Olly Robbins, mit der Planung und Verhandlungsführung des Brexits gleich im Büro von Number 10 Downing Street beauftragte.

Theresa May brauchte Davis als Minister für ihre politischen Schachzüge, um die Hardliner in ihrer Partei hinter sich zu halten: ein Aushängeschild in wichtiger Position für die Vertreter eines harten Brexits. Mehr war Davis für May nicht. Eine ähnliche Funktion hatte für sie auch Boris Johnson, der als Außenminister ebenfalls für einen harten Brexit eintrat. Nach Davis' Rücktritt war er in der Regierung allein mit seiner Position, es blieben für ihn kaum noch Möglichkeiten, sich politisch einzubringen. Je näher die harte Realität des britischen Ausstiegs aus der EU rückt, desto weniger verfangen seine populistischen Anti-EU-Sprüche. Mit seiner Bemerkung "Fuck Businnes" über britische Unternehmer hatte er sich zuletzt ohnehin ausmanövriert. 

May wusste, dass die Hardliner revoltieren

Theresa May hat also vorerst gewonnen. Sie hatte schnell erkannt, dass ein harter Brexit (also raus aus der Zollunion, und raus aus dem Binnenmarkt) so schädlich für die britische Wirtschaft sein würde, dass dies ein Premierminister nicht wirklich würde vertreten können. Ihr Mantra "No deal is better than a bad deal" hatte sie schon lange fallen lassen.

Spätestens seit ihrer Einigung mit der EU im Dezember auf eine Notfalllösung, die mit Blick auf die irische Grenze einem Verbleib in der Zollunion und Teilen des Binnenmarktes gleichgekommen wäre, war klar, wofür sich May entscheiden würde. Für einen so weichen Brexit, wie es irgend möglich sein würde, also genau das Konzept, das sie Freitag in ihrem Kabinettstreffen im Landsitz Chequers durchdrückte.

May, die bei der Volksabstimmung für den Verbleib in der EU votierte, hatte es lang hinausgezögert, sich öffentlich klar zu positionieren. Fast auf den Tag genau hat sie zwei Jahre lang beide Seiten der Brexit-Fronten im Land vertröstet – die Hardliner mit Parolen ("No deal") und Versprechungen (roten Linien) und die EU-Anhänger mit Fakten wie den Verhandlungsergebnissen im Dezember.

Der Druck jedoch, mit der EU die künftigen Handelsbeziehungen ausloten zu müssen, ließen ihr jetzt keine andere Wahl mehr. Sie musste sich für eine der Seiten entscheiden, und dies wohl wissend, dass die Hardliner revoltieren und – wie Davis und Johnson – zurücktreten würden. Für die Premierministerin ergibt sich daraus die Chance, ein Regierungsteam zusammenzustellen, das die Beziehungen zur EU auf das bestmögliche Fundament stellt.