Die mongolischen Behörden haben offenbar die Entführung des türkischen Staatsbürgers Veysel Akçay in der Hauptstadt Ulan Bator verhindert. Die Behörden verweigerten am Freitag einem mutmaßlich mit der türkischen Luftwaffe in Verbindung stehenden Passagierflugzeug stundenlang den Start. Augenzeugen, die die Entführung beobachtet haben wollten, hatten Anzeige erstattet.

Der 50-jährige Akçay ist Leiter einer Schule in der Mongolei, die mit der in der Türkei verbotenen Gülen-Bewegung in Verbindung gebracht wird. Nach Angaben der Stiftung Dialog und Bildung, der zentralen Institution der Gülen-Bewegung in Deutschland mit Sitz in Berlin, ist Akçay Geschäftsführer der deutschen EWE Empathy Worldwide Education GmbH, die weltweit Schulen betreibt.

Die türkische Regierung macht die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Die Türkei hat seit dem Putschversuch Zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger festnehmen lassen – immer wieder auch im Ausland. Berichte gab es unter anderem und zuletzt vergangene Woche aus der Ukraine, dem Kosovo, Aserbaidschan, Gabun, Pakistan und Afghanistan.

Augenzeugenberichten zufolge hatten fünf Männer Akçay am Freitagmorgen in der Nähe seines Wohnsitzes in einen Minibus gezerrt. Am Genghis-Khan-Flughafen in Ulan Bator landete gegen Mittag eine kleine Passagiermaschine, die nach Angaben der Internetseite flightradar24.com zur türkischen Luftwaffe gehört.

Die von Akçays Bekannten informierten Behörden verweigerten dem Flugzeug den Start. Am Flughafen kam es zu Protesten mit Schildern, auf denen die Freilassung Akçays gefordert wurde. Das Flugzeug hob am späten Abend ab. Laut den Behörden war Akçay jedoch nicht an Bord. Er stehe nun unter Polizeischutz.

Der mongolische Vizeaußenminister Battsetseg Batmunkh warnte die türkische Botschaft vor einer Entführung auf mongolischem Staatsgebiet. Dies würde "einen ernsthaften Verstoß gegen die Unabhängigkeit und Souveränität der Mongolei" darstellen. Nach Angaben des mongolischen Außenministeriums bestritt der türkische Außenminister Mevlut Çavuşoğlu dieVorwürfe . 

Welche Rolle die mongolischen Behörden bei dem Entführungsversuch spielten, ist unklar. Einem Bericht der türkischen Tageszeitung Sözcu zufolge hat der türkische Geheimdienst den Mann in Zusammenarbeit mit dem mongolischen Geheimdienst festgenommen. Einem anderem Bericht zufolge wussten die mongolischen Behörden von nichts und hätten erst auf die große öffentliche Aufregung hin die Ausführung des Mannes verhindert. Ähnliche Vorfälle folgten demselben Muster: Zuerst gab es hohen diplomatischen Austausch, kurz darauf wurden türkische Staatsbürger abgeschoben oder vom Geheimdienst ausgeflogen.

Der deutsche Mongolei-Experte Julian Dierkes sagte der Deutschen Presseagentur, der Sohn des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan sei im Juli zu Besuch in Ulan Bator gewesen. Dies ginge aus einem Facebook-Eintrag der türkischen Botschaft hervor. In der Mongolei werde es nun um die Frage gehen: Wer wusste von der Sache oder hat womöglich mit den türkischen Sicherheitsdiensten kooperiert?