Mindestens 54 Einwandererkinder sollen in den USA aus Haftzentren entlassen und zu ihren Eltern gebracht werden. Das teilte ein Anwalt der US-Regierung mit. Die Kinder sind alle unter fünf Jahre alt und waren unter der Null-Toleranz-Politik der Regierung von US-Präsident Donald Trump von ihren illegal eingereisten Eltern getrennt worden. Nachdem die Familientrennung heftige Kritik ausgelöst hatte, setzte eine Bundesrichterin in San Diego den Behörden eine Frist, die Familien wieder zusammenzuführen.

Die Regierung muss dem Gericht zufolge Kinder unter fünf Jahren innerhalb von 14 Tagen und ältere Kinder innerhalb von 30 Tagen wieder mit ihren Eltern vereinen. Die Frist für kleine Kinder endet am heutigen Dienstag, die 30-Tage-Frist am 26. Juli. Nach Medienberichten hat ein US-Gericht der Regierung nun jedoch mehr Zeit gegeben, um die Kinder im Alter von fünf Jahren oder jünger zu ihren Eltern zurückzubringen. Die Entscheidung erfolgte nach einer Erklärung der Regierungsanwältin Sarah Fabian, wonach bis zur ursprünglich gesetzten Frist bis Dienstag nur rund die Hälfte der 102 Kinder in der Altersgruppe wieder mit ihren Eltern zusammengeführt werden könnte.

Die Behörden hatten offenbar Probleme, bestimmte Kinder ihren Eltern zuzuordnen, nachdem Dokumente dazu verschwunden seien, berichtete die New York Times Ende vergangener Woche. In einigen Fällen sollen Dokumente auch vernichtet worden sein, offenbar aber nicht mutwillig. Die Regierung hatte am Freitag eine Verlängerung der Frist für die Familienzusammenführungen erbeten.

Kinder dürfen nicht erneut in Haft

Nach der Vereinigung der Familien will die Trump-Regierung für die Dauer des Verfahrens Kinder gemeinsam mit ihren Eltern inhaftieren. Das sei jedoch nach einem Gerichtsentscheid von 1997, der die Dauer der Inhaftierung von illegal eingereisten Minderjährigen begrenzt, nicht zulässig, urteilte eine Bundesrichterin in Los Angeles. Der Antrag sei ein Versuch, dem Gericht die Verantwortung für eine unüberlegte Aktion des Präsidenten und die Untätigkeit des Kongresses unterzuschieben, teilte die Richterin mit.

Unter der Trump-Regierung wurden insgesamt mehr als 2.000 Einwandererkinder von ihren Eltern getrennt, bis der Präsident angesichts des öffentlichen Drucks am 20. Juni den Stopp der Praxis anordnete.