Nach Kritik aus seiner eigenen Partei hat US-Präsident Donald Trump eingeräumt, dass Russland sich in die US-Wahl 2016 eingemischt hat. "Ich akzeptiere die Schlussfolgerung unserer Geheimdienste", sagte Trump im Weißen Haus in Washington. Am Vortag habe er sich versprochen und das Gegenteil gemeint.

Am Montag hatte Trump auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach dem Gipfel in Helsinki gesagt, er sehe keinen Grund, warum Russland sich in die US-Wahl eingemischt haben sollte. Nun argumentierte Trump, dass er dabei ein "nicht" vergessen habe. Er sehe keinen Grund, warum Russland nicht für die Einmischung verantwortlich sein sollte, korrigierte er sich.

Auf dem Gipfel mit dem russischen Staatschef hatte Trump Putins Zurückweisung des Vorwurfs, die US-Wahl 2016 beeinflusst zu haben, als "extrem stark und kraftvoll" bezeichnet. Der US-Präsident hatte sich damit öffentlich gegen die Einschätzung seiner eigenen Geheimdienste und Ermittlungsbehörden gestellt, die eine russische Einmischung für erwiesen halten.

Für seinen Auftritt war der US-Präsident von führenden Politikern seiner Republikanischen Partei kritisiert worden. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, hatte Trump aufgefordert, er solle einsehen, "dass Russland nicht unser Verbündeter ist". Es gebe keinen Zweifel daran, dass sich Russland in die US-Wahlen eingemischt habe. Der prominente republikanische US-Senator John McCain sprach von einem "Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft". Kein früherer US-Präsident habe sich jemals derart "vor einem Tyrannen selbst erniedrigt".

Für Demokraten kommt Klarstellung "24 Stunden zu spät"

Zwar korrigierte Trump vor Journalistinnen und Journalisten seine Aussage zur Rolle Russlands im US-Wahlkampf. Er bestritt aber erneut, dass sein eigenes Wahlkampfteam mit Russland zusammengearbeitet habe. Zudem habe die russische Einmischung keinen Einfluss auf den Ausgang der Präsidentenwahl gehabt, die er gewonnen hatte. Trump sagte zu, dass die Regierung alles dafür unternehmen werde, dass sich eine Einflussnahme bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress im November nicht wiederholen werde.

Der Chef der oppositionellen Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte, Trump versuche, sich aus seinen Aussagen in Helsinki herauszuwinden. Trumps Klarstellung komme "24 Stunden zu spät und am falschen Ort". Wenn Trump Putin nicht ins Gesicht sagen könne, dass der russische Präsident falsch liege und die US-Geheimdienste richtig, sei dies ineffektiv, sagte Schumer. Das sei ein weiteres Zeichen der Schwäche, die es Putin erlaube, Trump auszunutzen.

In den USA untersucht Sonderermittler Robert Mueller seit Monaten, inwiefern sich die russische Regierung in den amerikanischen Wahlkampf eingemischt hat und ob es dabei illegale Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und russischen Offiziellen gab. Trump hatte die Ermittlungen auf dem Gipfel mit Putin als "Hexenjagd" bezeichnet. Wenige Stunden nach dem Treffen in Helsinki wurde jedoch bekannt, dass die US-Justiz eine mutmaßliche russische Agentin in Washington festgenommen hat, die während des Wahlkampfs vor zwei Jahren zweimal versucht haben soll, ein Treffen zwischen Trump und Putin zu arrangieren.