Der US-Präsident Donald Trump hat mit missverständlichen Äußerungen zu Russlands Aktivitäten für Irritationen gesorgt. Eine Reporterin fragte Trump nach einer Kabinettssitzung, ob Russland die USA weiter beobachte. Trump antwortete darauf mit "Vielen Dank, nein." Auf die Nachfrage, ob er nicht glaube, dass dies der Fall sei, sagte Trump wieder: "Nein." 

Trumps Antwort wurde als Widerspruch zu seiner Aussage vom Vortag gesehen. Am Dienstag hatte Trump noch gesagt, er akzeptiere die Schlussfolgerung seiner Geheimdienste. Demnach gilt Russland in Hinblick auf Cyberangriffe als "aggressivster ausländischer Akteur". Das Land habe sich in die US-Wahlen 2016 eingemischt, die digitale Infrastruktur der USA sei "buchstäblich unter Angriff", sagte der US-Geheimdienstkoordinator Daniel R. Coats. Am Montag bekräftigte Coats in einer Pressemitteilung seine Warnung. Die allgegenwärtigen Bemühungen, die amerikanische Demokratie anzugreifen, hielten an, hieß es.

"Er hat nicht auf die Frage geantwortet"

Drei Stunden später meldete sich Trumps Sprecherin Sarah Sanders zu Wort. Sanders zufolge meinte Trump mit seiner "Nein, danke"-Antwort, er wolle keine Fragen beantworten. "Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen, er hat auf die Frage nicht geantwortet", sagte Sanders. Der Präsident gehe weiter davon aus, dass Russland die Vereinigten Staaten beobachtet. "Er glaubt, dass sie sicherlich wieder auf die US-Wahlen abzielen", sagte Sanders. "Die Gefahr besteht weiter." Sanders fügte hinzu: "Wir unternehmen Schritte, dass sich die Dinge nicht wiederholen."

Bereits zuvor hatte sich Trump widersprüchlich zur Einschätzung Russlands geäußert. Trump hatte am Montag den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki getroffen. Die beiden sprachen über die angespannte Beziehung ihrer Länder. Bei der anschließenden gemeinsamen Pressekonferenz äußerte sich Trump versöhnlich: Er sehe keinen Grund, warum Russland sich in die US-Wahl eingemischt haben sollte. Dem Sender Fox News sagte Trump, er betrachte Russland nicht als größten Widersacher.

Dafür kritisierten ihn viele Politikerinnen und Politiker, auch aus der eigenen Partei. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, sagte, Trump solle einsehen, "dass Russland nicht unser Verbündeter ist". Der republikanische US-Senator John McCain sprach von einem "Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft". Kein früherer US-Präsident habe sich jemals derart "vor einem Tyrannen selbst erniedrigt". Nach der Kritik erklärte Trump, er habe sich nur versprochen. Statt: Er sehe keinen Grund, warum Russland sich in die Wahl eingemischt haben sollte, habe er gemeint: Er sehe keinen Grund, warum Russland sich nicht in die Wahl eingemischt haben solle.