Ungeachtet eines Boykotts durch die USA haben sich die übrigen UN-Mitgliedsstaaten am Freitag auf einen weltweiten Migrationsvertrag geeinigt. Mehr als 190 Länder billigten den Global Compact for safe, orderly and regular Migration (hier der Vertrag im Original als PDF). Er soll sichere, geordnete Migration fördern sowie dem Menschenhandel entgegenwirken. Die USA waren schon vor der Einigung aus den Verhandlungen über den Vertrag ausgetreten.

UN-Generalsekretär António Guterres, der Präsident der UN-Vollversammlung Miroslav Lajcák sowie weitere Fürsprecher begrüßten das Dokument als ein Mittel, die mit Migration verbundenen Herausforderungen anzugehen. Mexikos UN-Botschafter Juan Gómez Camacho sprach von einem "historischen Tag" nach jahrzehntelangen Bemühungen.

Die "chaotischen und gefährlich ausbeuterischen Aspekte" von Migration dürften nicht zur neuen Normalität werden, sagte die UN-Sonderbeauftragte für Migration, Louise Arbour. Zuvor hatte sie gelobt, dass die Gespräche über 18 Monate trotz der oft negativen und böswilligen Fehleinschätzungen über Migranten gut gelaufen seien.

Die USA hatten sich bereits im Dezember aus den Verhandlungen zurückgezogen. Einige Bestimmungen seien nicht mit der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik des Landes vereinbar. Auch Ungarns Außenminister Péter Szijjártó sagte Diplomaten gegenüber, sein Land sei mit Kernelementen des Dokuments nicht einverstanden. Bei einem Treffen am Mittwoch werde die ungarische Regierung daher über eine mögliche Loslösung vom Vertrag beraten.

Der Vertrag gilt als erstes internationales Dokument zum Umgang mit weltweiten Migrationsbewegungen und soll neue Perspektiven für legale Einwanderung eröffnen. Er ist aber rechtlich nicht bindend. Der Pakt soll bei einem Treffen im marokkanischen Marrakesch im Dezember formal angenommen werden.