Die US-Regierung ist gegen ein Referendum in der Ostukraine. Diese Möglichkeit sei von Russland ins Gespräch gebracht worden, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Garrett Marquis. Weiter sagte er, der Konflikt im Donbass werde durch das Minsker Abkommen geregelt. Darin sei die Option eines Referendums nicht festgehalten. Außerdem habe ein sogenanntes Referendum in einem Teil der Ukraine, der nicht unter Kontrolle der Regierung stehe, keine Legitimität.

In der Ostukraine kämpfen seit 2014 prorussische Separatisten gegen Regierungstruppen. Deutschland, Frankreich, Russland und die Ukraine hatten 2015 einen Friedensplan in Minsk ausgehandelt. Dessen Umsetzung stockt jedoch seit Langem, immer wieder gab es neue Kämpfe in der Region. Bislang sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen in dem Konflikt getötet worden.

Der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, hatte gesagt, die Präsidenten Wladimir Putin und Donald Trump hätten während ihres Gipfels am Montag in Helsinki über die Möglichkeit eines Referendums gesprochen. Es habe konkrete Vorschläge gegeben. Details nannte Antonow nicht.

Das russische Außenministerium teilte mit, man werde dies nicht kommentieren. Außenamtssprecherin Marija Sacharowa sagte jedoch: Wenn die internationale Gemeinschaft, allen voran die USA, die Ukraine nicht dazu bringen kann, die Minsker Vereinbarungen einzuhalten, "kann man andere Optionen diskutieren".

Noch am Nachmittag hieß es, Putin habe Trump gebeten, den Vorschlag eines Referendums nicht öffentlich zu machen. Laut Bloomberg sollte ihm Zeit gegeben werden, den Vorschlag zu prüfen. Später jedoch sagte der russische Botschafter Antonow, bei dem Gipfeltreffen habe es "keine Geheimabsprachen" gegeben. Die russische Seite habe "mehrere sehr ernsthafte Vorschläge gemacht", von denen Putin einige auf der gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt habe. Es habe Diskussionen "zum Thema Syrien" gegeben und über die Ukraine.

Ukraine würde Referendum nicht akzeptieren

Trump hatte nach dem Treffen in Helsinki lediglich getwittert, die Ukraine sei bei seinem Treffen mit Putin ein Thema gewesen. Über Einzelheiten oder ein Referendum sagte er nichts.

Die ukrainische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu Antonows Aussagen. Doch der frühere Außenminister Konstantin Grischtschenko sagte dem Fernsehsender 112.ua, die Ukraine werde "niemals einem von Russland initiierten Referendum im Donbass zustimmen". Russland habe schon die Annexion der Krim mit einer Volksabstimmung gerechtfertigt und versuche dies nun in der Ostukraine anzuwenden. International ist die Volksabstimmung auf der Krim nie anerkannt worden. 

Dass europäische Staaten eine Volksabstimmung im zum großen Teil von Rebellen kontrollierten Donbass unterstützen, war nicht zu erwarten.