Im westafrikanischen Mali finden heute die zweiten Präsidentschaftswahlen nach dem Putsch und der anschließenden Militärintervention vor sechs Jahren statt. Rund 8 Millionen Menschen dürfen abstimmen. Insgesamt stehen 24 Kandidaten zur Wahl.

Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keïta werden die größten Chancen auf den Wahlsieg zugerechnet. Sollte Oppositionsführer Soumaïla Cissé genug Stimmen gewinnen, würde es in zwei Wochen zu einer Stichwahl kommen. Die Opposition wirft Keïta Versäumnisse bei der Stabilisierung des Landes vor.

Die Wüste im Norden Malis gilt als Rückzugsgebiet mehrerer mit Al-Kaida verbundener islamistischer Terrororganisationen. Auch im bevölkerungsreicheren Zentrum Malis gewinnen diese an Einfluss. Experten der Denkfabrik International Crisis Group erwarten, dass dort nur eine Minderheit der Menschen ihre Stimme abgibt. Das mache eine glaubwürdige Wahl unwahrscheinlich.

2012 begannen Tuareg-Nomaden im Norden des Landes einen Aufstand und riefen die Republik Azawad mit der Stadt Gao als Hauptstadt aus. Soldaten der malischen Streitkräfte putschten gegen die Regierung, weil sie mit der Reaktion auf den Aufstand unzufrieden waren. Extremistische Gruppen nutzten das entstandene Chaos, um ihren Einfluss auszuweiten. Frankreich griff 2013 mit einem Militäreinsatz ein und drängte die Tuareg-Rebellen und die Extremisten zurück.

Eine UN-Friedensmission soll seit 2013 für Stabilität sorgen und eine Machtübernahme durch Dschihadisten verhindern. Auch 1.000 Bundeswehrsoldaten sind an der Mission beteiligt. Es ist nach dem Afghanistaneinsatz der momentan größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Die deutschen Soldaten sind vor allem in der Stadt Gao im nordöstlichen Teil des Landes stationiert. Der Bundeswehreinsatz kostet jährlich etwa 270 Millionen Euro. Für Entwicklungshilfe an Mali wendet Deutschland seit 2013 dagegen nur rund 70 Millionen Euro im Jahr auf.

Mali gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Rund 1,2 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen laut dem UN-Kinderhilfswerk nicht zur Schule. Jedes neunte Kind stirbt demnach noch vor dem fünften Geburtstag.