Afghanistan - Präsident Aschraf Ghani kündigt Waffenruhe mit Taliban an Für mindestens drei Monate will der afghanische Staatschef eine Waffenruhe mit den radikalislamischen Taliban. Mehrere Anführer der Taliban sollen dem Waffenstillstand zugestimmt haben. © Foto: Parwiz/Reuters

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat trotz der zuletzt heftigen Kämpfe um die Stadt Ghasni eine Waffenruhe mit den radikalislamischen Taliban angekündigt. "Der vorbehaltliche Waffenstillstand beginnt morgen und wird so lange dauern, wie ihn die Taliban bewahren und respektieren", sagte er am Sonntag anlässlich der Feiern zum 99. Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes. So soll die Feuerpause zunächst während des Opferfests bis einschließlich Dienstag dauern. Danach, so Ghani, hoffe er auf eine Verlängerung bis zum 20. November, der als Tag der Geburt des Propheten Mohammed gilt.

USA und Nato unterstützen Initative

Die USA lobten die Initiative des afghanischen Präsidenten. "Die jüngste Waffenruhe in Afghanistan hat den tiefen Wunsch der afghanischen Bevölkerung nach einer Beendigung des Konflikts gezeigt", sagte US-Außenminister Mike Pompeo und forderte die Taliban auf, sich zu beteiligen. Die internationale Gemeinschaft hoffe, dass die afghanische Bevölkerung das Eid-al-Adha-Fest "in diesem Jahr in Frieden, frei von Furcht" feiern kann.

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb, er ermutige die Taliban, die Waffenruhe zu respektieren und ihre "Sorge um die Afghanen zu demonstrieren". Auch die pakistanische Regierung, der immer wieder vorgeworfen wird, der Talibanspitze einen sicheren Rückzugsraum zu bieten, lobte die Ankündigung, die an eine ähnliche Initiative vom vergangenen Juni anknüpft. Damals akzeptierten die Taliban zum Fest des Fastenbrechens eine dreitägige Waffenruhe, lehnten eine später von Präsident Ghani vorgeschlagene Verlängerung allerdings ab.

Taliban sollen drei Busse überfallen haben

Offiziell reagierten die Taliban jetzt nicht. Allerdings sollen sie an diesem Morgen in der nordafghanischen Provinz Kundus mehr als 100 Insassen von drei Überlandbussen verschleppt haben. Nach Angaben des Provinzrats wurden die Busse im Bezirk Chanabad um 07.30 Uhr auf einer Überlandstraße zum Anhalten gezwungen und von dort in ein Dorf in der Nähe gebracht. Derzeit sind Einheiten der afghanischen Armee auf dem Weg dorthin, sagte der Bezirkschef von Khanabad, Hajatullah Amiri. Die Busse waren auf dem Weg in die Hauptstadt Kabul.

Immer wieder errichten Taliban-Kämpfer Kontrollposten auf Überlandstraßen und durchsuchen Autos und Busse nach Mitarbeitern der Regierung, nach Polizisten und Soldaten. Seit mehreren Jahren erstarken die Aufständischen. Sie eroberten seit dem Rückzug des Großteils der ausländischen Streitkräfte im Jahr 2014 mehrere Bezirke, fast täglich gibt es Angriffe auf Polizisten und Soldaten. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bei Selbstmordanschlägen sowie Kämpfen zwischen Extremisten und afghanischen Soldaten allein im ersten Halbjahr mehr als 1.600 Zivilisten getötet.

Kein Frieden unter "ausländischer Besatzung"

Zuletzt gab es heftige Kämpfe zwischen Taliban und der afghanischen Armee um die Stadt Ghasni. Über mehrere Tage hinweg versuchten Soldaten, die Extremisten aus dem Stadtzentrum zu vertreiben, Unterstützung erhielten sie von der US-Luftwaffe und von sogenannten Militärberatern der US-Armee. Die Taliban wurden so schließlich wieder aus der Stadt vertrieben. Mindestens 100 afghanische Einsatzkräfte sowie 35 Zivilisten wurden getötet.

Der Anführer der afghanischen Taliban, Haibatullah Achundsada, hatte angekündigt, es werde im Land keinen Frieden geben, so lange die "ausländische Besatzung" andauere – eine Anspielung auf die US-geführten Truppen im Land. Er bekräftigte zudem den Standpunkt seiner Gruppe, dass der seit 17 Jahren währende Krieg nur durch direkte Gespräche mit den USA beendet werden kann.