In Detroit: Alexandria Ocasio-Cortez macht Wahlkampf für Abdul El-Sayed, den linken demokratischen Kandidaten im US-Bundesstaat Michigan. © Bill Pugliano/Getty Images

Viel ist die New Yorkerin in diesen Tagen unterwegs – und das ganze Land guckt zu. Der gewonnene Kampf Ocasio-Cortez gegen Crowley ist zum Gradmesser geworden für die Auseinandersetzung innerhalb der demokratischen Partei. Auf der einen Seite steht das Establishment um Nancy Pelosi und Chuck Schumer, den obersten Demokraten im Kongress, auf der anderen die neuen jungen Linken. Und Ocasio-Cortez ist das kamerataugliche Gesicht dieser jungen Bewegung. Sie gibt CNN und NPR Interviews, Magazine wie der New Yorker widmen ihr mehrseitige Porträts, sie wird in den Late-Night-Shows der Fernsehsender herumgereicht.

Ocasio-Cortez, schrieb die New York Times, sei auf einen Schlag zum "politischen Rockstar" geworden. Ihr Einzug in den Kongress im November gilt als sicher, denn ihr New Yorker Bezirk wählt gewöhnlich zu 75 Prozent demokratisch. Ocasio-Cortez wäre dann die jüngste – und bislang linkeste – Abgeordnete in Washington.

Jetzt laden erst mal die anderen Kandidaten der Linken innerhalb der Demokraten im ganzen Land Ocasio-Cortez ein in der Hoffnung, es mit ihrer Hilfe selbst auf die große politische Bühne zu schaffen. So wie Abdul El-Sayed in Flint. Drei Veranstaltungen sind allein an diesem einen Tag in Michigan geplant. Hier setzte sich 2016 Bernie Sanders bei den Vorwahlen der Demokraten knapp gegen Hillary Clinton durch, später gewann der Republikaner Donald Trump bei der Präsidentenwahl auch diesen Bundesstaat, aber nur mit 0,25 Prozentpunkten Vorsprung. Abdul, wie er auf seinen Wahlplakaten schlicht heißt, will die superknappe Mehrheit im Staat zurückholen und den republikanischen Gouverneur stürzen.

"Mach mich stolz"

Noch vor einem Jahr kannte niemand Ocasio-Cortez. Sie wuchs in der Bronx auf, eine Stunde von Manhattan entfernt. Ihre Eltern kamen aus Puerto Rico aus einfachsten Verhältnissen, der Vater arbeitete sich zum Architekten hoch. Um ihrer Tochter eine gute Schulbildung zu ermöglichen, kauften die Eltern mithilfe von Verwandten ein kleines Haus mit zwei Zimmern im nahe gelegenen Yorktown Heights, wo die Schulen besser waren als in der Bronx und die Mitschüler fast ausschließlich weiß. Das erzählte Ocasio-Cortez dem New Yorker.

Mit Stipendien und Studienkrediten schaffte sie es an die Universität in Boston. Ihr Vater sagte ihr damals kurz vor seinem Tod: "Mach mich stolz." Um ihn zu ehren und sich selbst abzulenken, konzentrierte sie sich nun besonders auf das Studium. Dem New Yorker sagte sie: "Ich habe das sehr ernst genommen, meine Noten wurden auf einen Schlag besser."

Sie wechselte von Biochemie zu Volkswirtschaft und Internationaler Politik, nebenbei arbeitete sie für den demokratischen Senator Edward Kennedy. Sie wollte Lösungen für die Probleme finden, die sie aus der eigenen Familie und dem eigenen Viertel kannte. Später zog sie zurück in die Bronx in eine Einzimmerwohnung, dort holten sie diese Probleme ein. Ohne Vater fehlte der Familie das Geld, und um sie zu unterstützen, arbeitete Ocasio-Cortez als Kellnerin in einem mexikanischen Restaurant in Manhattan, verschob ihre Karriere und fand gerade noch  Zeit für Freiwilligenarbeit für den demokratischen Kandidaten Bernie Sanders.